Buch 
Ungleiche Wohnraumverteilung : Über- und Unterbelegung auf dem deutschen Wohnungsmarkt
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

IMPULS Sebastian Kohl, Max Steinhardt, Simon Voss Ungleiche Wohnraumverteilung Über- und Unterbelegung auf dem deutschen Wohnungsmarkt  1 Auf einen Blick Die öffentliche Debatte über den Wohnungsbau kon­zentriert sich vor allem auf Fragen der Bezahlbarkeit von Wohnraum. Die(Um-)Nutzung bestehenden Wohnraums wird jedoch kaum thematisiert. Dabei nehmen Überbelegung wie Unterbelegung im Woh­nungsbestand in den letzten Jahren zu. Überbelegung trifft eher Einwander:innen, Junge, Alleinerziehende und städtische Mieter:innen, Unterbelegung hingegen eher Ältere die subjektiv empfundene Überbelegungs­rate ist sogar noch höher. Sozio­demografische Fakto­ren bestimmen Überbelegung stärker als Einkommen oder Wohnkosten. Politisch könnte die Umverteilung von Wohnraum im Bestand durch Wohnungstausch oder Anreize zum Downsizing eine Denk­alternative zum CO 2 -intensiven Neubau sein. Einleitung Das Thema Wohnen hat in den vergangenen Jahren in vie­len Ländern und Weltstädten ein beeindruckendes Come­back in den Medien und auf der politischen Agenda erlebt, selbst in Ländern wie Deutschland, die nicht direkt von den Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf den Woh­nungsmarkt betroffen waren(Gabor/Kohl 2022). Das wich ­tigste Thema der Wohnungspolitik ist die Bezahlbarkeit, sowohl der Mieten als auch der Kaufpreise im Verhältnis zum Einkommen. Über das Parteienspektrum hinweg scheinen sich die meisten politischen Entscheidungsträ­ger:innen darin einig zu sein, dass der Bau von mehr Wohnraum trotz der Beschränkungen auf der Angebotssei­te die wichtigste Lösung ist auch wenn sie sich mögli­cherweise nicht darüber einig sind, was die Ursachen für die diagnostizierten Versorgungsengpässe sind(staatliche Regulierung, NIMBY-Bewegung 2 , Finanzialisierung) oder wer bauen soll(Staat versus Markt). 1 Diesem Policy Paper liegt die StudieCrowding(at) the Margins: Investigating the Unequal Distribution of Housing Space in Germany(Kohl et al. 2024) zugrunde, die von der Hans-Böckler-Stiftung finanziert wird. 2 NIMBY steht für,Not in My Backyard, etwaNicht in meinem Hinterhof, und beschreibt das Phänomen, dass lokale Anwohner:innen zwar prinzipiell für bestimmte ­Politiken sind(Wohnungsneubau, Flughafenausbau, Windparks etc.), jedoch dies nicht in ihrer Wohnumgebung befürworten. Diese Einstellungen werden in der US-­Forschung für mangelnden Wohnungsneubau erklärend herangezogen. Ungleiche Wohnraumverteilung 1