Buch 
Wege zur Zukunftsfähigkeit : strategische Industriepolitik für Baden-Württemberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

2 Ausgangssituation der Industrie in Baden-Württemberg Baden-Württemberg zählt zu den bedeutendsten Industrie­standorten Deutschlands. Im ersten Quartal 2024 waren rund 1,5 Millionen Beschäftigte in der Industrie des Landes tätig, der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der landesweiten Bruttowertschöpfung lag mit 33,7 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 20,8 Prozent (Demmelhuber und Schaller 2024). Die Industrie im Ländle umfasst mit Bezug zu Beschäftigung oder Umsatz fünf Kernbereiche(siehe Tabelle 1): Maschinenbau , Automobil­industrie (inkl. Kraftwagenteile), die Herstellung von Metallerzeugnissen , elektrischen Ausrüstungen sowie Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen und opti­schen Erzeugnissen( Elektroindustrie ). Gemeinsam stellen diese fünf Branchen rund zwei Drittel der industriellen Beschäftigung und den überwiegenden Teil des Umsatzes dar(Schwäbe 2025). Zusätzlich spielt auch die chemische Industrie, inklusive der pharmazeutischen Industrie , eine zentrale Rolle. Zwar ist sie nicht unter den fünf beschäfti­gungsstärksten Sektoren zu verzeichnen, stellt jedoch einen industriellen Kernbereich dar, der für die gesamte Wertschöpfungskette wichtig ist und gleichzeitig die dritt­wichtigste Exportgütergruppe des Landes nach Kraftwa­gen/Kraftwagenteilen und Maschinenbau repräsentiert (Demmelhuber und Schaller 2024). Besonders zentral ist die Rolle der Automobilindustrie. Ob­wohl sie mit 16,7% der Industriebeschäftigten nach dem Maschinenbau(24,1%) nur den zweiten Platz einnimmt, er ­wirtschaftete sie 2024 mit 31,9% den mit Abstand größten Umsatzanteil, ein Indikator für die starke Produktivität des Sektors(vgl. Tabelle 1). Die Unternehmenslandschaft Baden-Württembergs ist durch eine charakteristische Dualität geprägt: Auf der einen Seite dominieren quantitativ kleine und mittlere Unterneh­men 99% aller Betriebe beschäftigen weniger als 250 Per ­sonen(Demmelhuber et al. 2024). Viele von ihnen sind Hid ­den Champions, die in globalen Nischenmärkten Welt­marktführerpositionen halten. Auf der anderen Seite setzen einzelne Großkonzerne wie Daimler Truck, Bosch oder Boehringer Ingelheim markante Eckpfeiler in der Unterneh­menslandschaft(IHK Baden-Württemberg 2024). Indikatoren für die Kernbereiche der Industrie Baden-Württembergs Beschäftigte (Anzahl) Beschäftigte (in%) Umsatz (in%) Entgelte (in%) Exportquote (in%) Umsatz je Beschäftigten (insg.= 100 Index) ­Tab. 1 Entgelte je Beschäftigten (insg.= 100 Index) 2023 2024 Metallerzeugnisse 151.712 147.852 DV-Geräte, elekt­ronische und opti­sche Erzeugnisse 84.670 86.495 Elektrische Aus­rüstungen 108.393 106.276 Maschinenbau 317.840 313.081 Kraftwagen und Kraftwagenteile 219.687 216.462 Chemische Er­zeugnisse 36.714 36.802 Pharmazeutische Erzeugnisse 30.139 30.667 2023 11,6 6,5 8,3 24,3 16,8 2,8 2,3 2024 11,4 6,7 8,2 24,1 16,7 2,8 2,4 Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2023 7,1 6,7 6,7 18,8 31,6 4,3 1,7 2024 6,7 6,9 6,1 18,1 31,9 4,3 1,9 2023 9,5 7,2 7,9 26,4 21,9 2,9 2,5 2024 9,3 7,4 7,8 25,9 22,3 2,9 2,5 2023 35,9 68,3 53,7 62,9 76,7 63,1 45 2024 37,3 2023 61,1 2024 58,8 2023 82,4 2024 81,3 69,8 103 104,3 110,9 111,5 54 80,5 74,6 95,5 95,1 63,7 77,4 75 108,8 107,6 76,5 188,3 191,7 130,6 134 65,2 152,3 150,4 104,9 103,5 42,7 75,5 78,6 107,8 107,4 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.