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Wege zur Zukunftsfähigkeit : strategische Industriepolitik für Baden-Württemberg
Entstehung
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4.2 Szenario 1: Two-Men-Show(G2) Die bipolare Weltordnung ist Realität geworden: China und die USA dominieren als fragileG2-Mächte, gestützt auf informelle Deals und persönliche Macht­balance. Wirtschaftlich entstehen zwei Ökosysteme mit entkoppelten Wertschöpfungsketten, in denen die Kontrolle über Ressourcen den Handel bestimmt. Die internationale Sicherheit ist angespannt, besonders in Drittregionen, während multilaterale Organisationen formell weiter bestehen, aber von den G2 unterlaufen oder instrumentalisiert werden. In diesem Szenario wird die Automobilindustrie vor einem Scheideweg gesehen: Während zwei klar definierte Welt­marktregionen die Komplexität globaler Anforderungen theoretisch reduzieren könnten, wird eingeschätzt, dass die technologische Divergenz Elektromobilität in China, Fort­bestehen des Verbrenners in den USA letztlich eine Local for local-Produktion erfordert. Die Wertschöpfung in Baden-Württemberg würde sich demnach auf den EU­Binnenmarkt konzentrieren, mit entsprechend geringeren Volumina. Der einstige technologische Vorsprung bei Schlüsselkomponenten wird als bereits verloren betrachtet; Innovationen würden künftig auf die G2-Märkte zuge ­schnitten, während europäische Hersteller bei der Stan­dardsetzung marginalisiert zu werden drohen. Für den Maschinenbau wird die Chance gesehen, durch ge­zielten Einsatz von KI in der industriellen Produktion neue Stärken zu entwickeln, sofern die Einführung systematisch begleitet wird. Allerdings werden stagnierende Arbeitspro­duktivität, niedrige Investitionen und akuter Fachkräfte­mangel als Gefährdung für die bestehenden Cluster einge­schätzt. Der Elektroindustrie werden Chancen in einer Spe­zialisierung auf Datenverarbeitung und einem eigenen europäischen Datenraum zugeschrieben; zugleich wird massiver Kostendruck erwartet, der Produktionsverlagerun­gen und mittelfristig auch den Abzug von Forschungskapa­zitäten nach sich ziehen könnte. Bei Metallerzeugnissen wird die Positionierung als CO₂­neutrale Zulieferer für lokale Produktionsstandorte als Per­spektive bewertet, während Rohstoffknappheit und Preis­druck als belastend eingestuft werden. Der Chemieindust­rie wird durchaus Innovationskraft attestiert, sie hat jedoch trotz ihrer strategischen Bedeutung für die Resilienz der In­dustrie insgesamt keinen guten Ruf. Angesichts der Kosten­vorteile bei Energie sowie des geopolitischen Drucks durch ein G2-Szenario wird auch befürchtet, dass ganze Wert ­schöpfungsketten der Chemieindustrie verloren gehen kön­nen. Die energieintensive Produktion wird unter den gege­benen Rahmenbedingungen als kaum in Europa haltbar eingeschätzt. Branchenübergreifend wird die systematische Erschließung alternativer Absatzmärkte als notwendig erachtet Afrika, Indien, ASEAN, Mercosur und der Nahe Osten bieten dabei Diversifizierungspotenzial. Der EU-Binnenmarkt müsse durch höhere öffentliche Investitionen, Schutz vor billigen Erzeugnissen aus dem Ausland und eine auflocal content ausgerichtete Binnenkaufkraft zur zentralen Resilienzres­source für die Industrie werden. Technologisch wird emp­fohlen, auf Verteidigungs- und Sicherheitstechnologien, Umwelt- und Energietechnologien, Informationstechnolo­gie sowie industrielle KI-Anwendungen zu setzen. Auch Medizintechnik, Energieeffizienztechnologien oder Techno­logien für den Katastrophenschutz werden als relevante Felder genannt, bei der die Industrie von der steigenden Nachfrage nach mehr Resilienz von den USA und China profitieren kann. Als entscheidend wird ein enger Schulter­schluss zwischen Industrie, Politik, Gewerkschaften und Finanzinstituten im Sinne einer ganzheitlichen Industriepo­litik erachtet, weil das Szenario große Herausforderungen für die Industrie in Baden-Württemberg aufzeigt. Der Auf­bau robuster Rohstoffpartnerschaften mit Drittstaaten wird als zentrale Maßnahme zur Reduktion der G2-Abhängigkeit angesehen. 4.3 Szenario 2: Weltordnung made in China China dominiert die globale Ordnung in einem sino­zentrischen System mit reformierten internationalen Institutionen, die nach chinesischen Regeln funktio­nieren. Die Weltwirtschaft ist abhängig vom chinesi­schen Markt und seiner technologischen Führung insbesondere im Bereich GreenTech und digitale Infra­struktur. China vermeidet konkrete Sicherheitsgaran­tien, setzt vor allem auf wirtschaftlichen Druck, digitale Kontrolle und technologische Überwachung. Klassische Allianzen wie die NATO verblassen. Multi­laterale Foren sind nur noch Bühnen für die Inszenie­rung chinesischer Macht. Die Automobilindustrie wird in diesem Szenario überwie­gend in der Rolle eines Erfüllungsgehilfen chinesischer Konzerne gesehen. Die Wertschöpfung bei Schlüsselkom­ponenten wie Batterie, Software, Zentralrechner und Halb­leitern könnte nahezu vollständig nach China verlagert werden, weil schon jetzt in diesen Bereichen ein Rückstand vorliegt. Als offene Frage wird diskutiert, ob die Endmonta­ge von Fahrzeugen in Baden-Württemberg verbleiben könnte. Das autonome Fahren wird als mögliches Feld ge­nannt, um sich mit einer eigenen Stärke gegenüber China anzubieten. Für den Maschinenbau werden Chancen im Bereich Robo­tics identifiziert Unternehmen wie NEURA Robotics wer­den als Ansatzpunkt für einen europäischen Resilienzbe­reich betrachtet, wobei eine massive Hochskalierung als notwendig erachtet wird, um wirklich konkurrenzfähig zu 15