werden. Hidden Champions könnten ihre Weltmarktführerschaft in Nischen behaupten; allerdings wird eingeschätzt, dass China qualitativ kaum noch hinterherhinkt und Produkte deutlich günstiger anbieten kann. Der Elektroindustrie werden Chancen bei Batterien, Batterierecycling, Halbleitern und Quantentechnologien als Resilienztechnologien zugeschrieben, während die Taiwan-Frage als kritischer Abhängigkeitsfaktor bei Chips hervorgehoben wird. Bei Metallerzeugnissen wird aufgrund verstärkter Werkbanktätigkeit mit mehr Aufträgen gerechnet. Der Chemieindustrie wird attestiert, dass in diesem Szenario nur noch Nischenprodukte in Europa gefertigt würden; die technologische Abhängigkeit bei chemischen Industriewerkstoffen wird als gravierend eingestuft. Die energieintensive Grundstoffchemie wird als kaum haltbar bewertet – zu geringe Investitionen in Chlorchemieanlagen und die Kosten der ökologischen Transformation, die vom europäischen Emissionshandel ausgehen, werden als zentrale Probleme für das Bestehen der Chemieindustrie im Wettbewerb mit China genannt. Branchenübergreifend wird Cleantech als Chance gegenüber China identifiziert, insbesondere bei Ressourcen- und Energieeffizienz. Kreislaufwirtschaft und lokale Energieversorgung werden als Schlüsselbereiche für Resilienz bewertet. Der EU-Binnenmarkt sowie Indien und Kanada werden als prioritäre Absatzmärkte genannt. Technologisch wird empfohlen, auf DeepTech, Cleantech, datengetriebene Industrielösungen und KI-Training zu setzen – die Industrielandschaft Baden-Württembergs wird hierfür als prädestiniert angesehen. Als entscheidend werden strategische Allianzen zur Rohstoffversorgung, Energiepartnerschaften mit afrikanischen Staaten sowie die Stärkung europäischer Lieferketten erachtet. Zudem wird eine Rückbesinnung auf erstklassige Bildung, Wettbewerb und Innovation als Grundlage zur Wiedererlangung alter Stärken gefordert. Die Entwicklung digitaler Innovationen auf Basis eines offenen EU-Stacks wird als Voraussetzung für technologische Souveränität betrachtet. 4.4 Szenario 3: Fünf-Körper-Problem Fünf Machtzentren – USA, China, Russland, Indien und die EU – halten sich gegenseitig in Schach und bilden ein Gleichgewicht durch einen exklusiven Sicherheitsrat, den„W5“. Wirtschaftlich sind die Blöcke stark auf Autarkie bedacht, mit blockinternen Lieferketten und protektionistischen Maßnahmen. Sicherheitsfragen werden in wechselnden Koalitionen verhandelt, internationale Organisationen wie die UN sind entmachtet. Die Automobilindustrie wird mit gemischten Herausforderungen konfrontiert gesehen: Lieferkettenschwierigkeiten, fehlende Marktmacht aufgrund der Demografie und mangelnde Koordinierung auf EU-Ebene werden als zentrale Risiken identifiziert. Der Zerfall in unterschiedliche Regulierungsräume – etwa bei Daten und autonomem Fahren – wird als besonders problematisch eingeschätzt. Als Chance wird die Etablierung lokaler Champions in den jeweiligen Blöcken genannt, wobei dies ein völlig neues Entwicklungsund Produktionsregime mit radikaler Automatisierung erfordern würde. Für den Maschinenbau wird betont, dass die europäische Industrie auf baden-württembergische Unternehmen angewiesen bleibe. Eine starke Cleantech-Branche mit guten Exportchancen wird als Perspektive bewertet, ebenso der Know-how-Erhalt durch vorhandene Prozessdaten und hohe Kompetenz. Allerdings wird gnadenloser Preisdruck erwartet, und die Kontrolle strategischer Ressourcen durch China und Russland wird als große Abhängigkeit eingestuft. Der Elektroindustrie werden Chancen durch weniger Konkurrenz und hohe Bedarfe bei Automation und Steuerung zugeschrieben, während Technologieabkopplung bei Chips und Fachkräftemangel als Risiken genannt werden. Bei Metallerzeugnissen werden tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse sowie fehlende Aufbereitungskapazitäten als problematisch bewertet. Der Chemieindustrie wird eine reduzierte Abhängigkeit von globalen Lieferketten und steigende Versorgungssicherheit als Chance zugeschrieben; die Notwendigkeit lokaler Wirkstoffproduktion und der Erhaltung von„Last of its kind“-Anlagen wird betont. Fehlende Skaleneffekte durch wegfallende internationale Zusammenarbeit werden als Nachteil eingeschätzt. Branchenübergreifend wird eine steigende Bedeutung der Industrie im Bereich Sicherheit und Verteidigung erwartet. Medizintechnik, Biotechnologie, Cleantech und KI werden als Felder identifiziert, die zur Diversifizierung massiv gestärkt werden müssten. Der EU-Binnenmarkt und industrialisierte Regionen wie Norditalien, Katalonien und Benelux werden als prioritäre Absatzmärkte genannt. Aus Sicht der Teilnehmenden sollten Cleantech, KI, kreislauffähiges Produktdesign oder EU-eigene Softwarelösungen berück16 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Wege zur Zukunftsfähigkeit : strategische Industriepolitik für Baden-Württemberg
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