Vorwort zur 3., vollständig überarbeiteten Auflage Der Sozialstaat ist für die Soziale Demokratie kein Beiwerk. Er ist Bedingung von Demokratie. Er sichert gleiche Freiheit – ganze Freiheit. Ein starker Sozialstaat ist ein zentrales Instrument gegen gesellschaftliche Ungleichheit. Ungleichheit ist Gift für demokratisches und gesellschaftliches Vertrauen. Besonders in Krisenzeiten und in Zeiten von Unsicherheit zeigt der Sozialstaat seine Kraft und Bedeutung. Aber er muss auch sonst für gesellschaftlichen Fortschritt wirken – als Motor für mehr Chancengleichheit, mehr Gleichberechtigung, mehr Zukunftsvertrauen. Im Sozialstaat wird der Freiheitsbegriff der Sozialen Demokratie konkret. Er umfasst nicht nur den Schutz vor willkürlichen Übergriffen des Staates oder der Gesellschaft – etwa die Freiheit des Gewissens und der Meinung. Ganze Freiheit bedeutet auch die Freiheit von Not und Furcht, die materielle Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Das ist der Anspruch, der sich an eine Sozialpolitik der Sozialen Demokratie immer wieder stellt. Konkrete Schritte gilt es auf der Höhe der Zeit jeweils neu zu bestimmen und es gilt, sich des eigenen Weges neu zu vergewissern. Zu dieser Vergewisserung will dieses Lesebuch beitragen. Es beschreibt den fundamentalen Zusammenhang zwischen Sozialstaat und Demokratie, zeigt, welche Gerechtigkeitsbegriffe und Prinzipien den Sozialstaat prägen, und erläutert, in welchen Sozialstaatstypen unterschiedliche Länder gesellschaftliche Solidarität organisieren. Es beschäftigt sich mit populärer Kritik am Sozialstaat und zeigt tatsächliche Herausforderungen auf, gibt einen Überblick über die sozialpolitische Programmatik der Parteien und diskutiert im Detail die Bereiche Steuern, Arbeit, Rente, Gesundheit, Alterung der Gesellschaft und Pflege sowie Bildung. Auch dieses Lesebuch will keine Antworten mit Ewigkeitsanspruch geben, sondern zum Lesen und Weiterdenken einladen. „Sozialstaat und Soziale Demokratie“ ist der dritte Band von derzeit neun Bänden in der Reihe der Lesebücher der Sozialen Demokratie. Er baut auf dem Lesebuch„Grundlagen der Sozialen Demokratie“ auf. Dort werden die Grundwerte der Sozialen Demokratie erläutert, die Gesellschaftsmodelle der liberalen, der konservativen und der Sozialen Demokratie verglichen und die Unterschiede zwischen libertärer Demokratie und der Sozialen Demokratie dargestellt. Diese vollständig überarbeitete Auflage wurde wesentlich von Anita Tiefensee geprägt. Wir möchten ihr dafür sehr herzlich danken. Genauso herzlich ist unser Dank an Wolfang Schroeder, der zentral zur Überarbeitung weiter Teile des Textes beigetragen hat, und Jonathan Overmeyer, der uns wesentlich in der Überarbeitung unterstützt hat. Außerdem gilt unser Dank unseren geschätzten Kolleg_innen Iva Figenwald, Susan Javad und Florian Dähne, die ebenfalls zum Gelingen der Überarbeitung beigetragen haben. Auch möchten wir uns bei den Autor_innen bedanken, die Kapitel komplett neu für diese Ausgabe gefasst haben: Gänzlich neu hinzugekommen sind das Kapitel zu Geschlechtergerechtigkeit von Barbara Stiegler sowie eine komplett neue Fassung des Rentenkapitels, das von Elmar Stracke verfasst wurde, sowie ein neues Kapitel zum Thema 4 Sozialstaat und Soziale Demokratie
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