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Sozialstaat und Soziale Demokratie
Entstehung
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Wenn bei der Chancengleichheit faire Ausgangsbedingungen so deut­lich im Zentrum der Überlegungen stehen, dann liegt es auf der Hand, dass die Bildungspolitik eines der zentralen Anwendungsgebie­te ist. Öffentliche Einrichtungen von Kindertagesstätten bis hin zur Berufsausbildung verdeutlichen, dass der Staat es als seine Aufgabe versteht, allen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Die Ergebnis­se unter anderem der PISA-Studien in den vergangenen Jahren zeigen aber auch, dass Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem nur sehr eingeschränkt besteht(vgl. Kapitel 7.6 Bildung). 3.6 Geschlechtergerechtigkeit Von Barbara Stiegler Geschlechtergerechtigkeit was heißt das? Geschlechtergerechtigkeit gilt alsübergeordnetes Prinzip der Ge­rechtigkeit, aber was lässt sich darunter genauer verstehen? Ge­schlechtergerechtigkeit ist hergestellt, wenn jede Person die Frei­heit hat, das eigene Leben so zu gestalten, wie es den eigenen Vorstellungen entspricht. Dazu gehören die Freiheit von Ge­schlechternormen, die vorgezeichnete Seins- und Lebensweisen bestimmen, sowie eine soziale Infrastruktur, die alle Lebenswei­sen unterstützt. Geschlechtergerechtigkeit ist nur möglich, wenn in einer Gesellschaft jedes Geschlecht Anerkennung und Wert­schätzung erfährt und materielle Ressourcen, Macht und Teilhabe zwischen Geschlechtern gleich verteilt sind. Um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, müssen auf der struktu­rellen Ebene die gesellschaftlichen, organisationalen und institutio­nellen Voraussetzungen für Geschlechtergerechtigkeit durch politi­sche Maßnahmen geschaffen werden. Auf der symbolischen Ebene gilt es, die Kultur mit ihren oft androzentrischen also nur auf die männliche Lebensweise bezogenen und sexistischen Werten und Normen zu verändern(Pimminger 2014; Gender Glossar o. D.). Auf der subjektbezogenen Ebene sind es geschlechtsbezogene Auffassungen und Bewertungen, die die individuelle Freiheit einschränken. Lange Zeit beherrschte unsere Vorstellung ein binäres Geschlechter­bild, in dem nur zwei Geschlechter existieren: das männliche und das weibliche. Zudem wird in dieser Vorstellung davon ausgegangen, dass beide diametral verschieden sind(Polarität) und in einer klaren Hier­archie zueinander stehen, in der das Männliche dem Weiblichen über­legen ist. Dieses dominante Geschlechterbild hat zentrale Bedeutung für die Fremd- und Selbstwahrnehmung von Personen und es ent­steht Druck, sich diesen Geschlechterstereotypen zuzuordnen und an­zupassen. Allerdings entsprechen diese Vorstellungen schon lange Unterscheidung: strukturelle und symbolische Ebene Mehr als zwei Geschlechter 3. Gerechtigkeit im Sozialstaat 33