7.4 Gesundheit Von Jochen Dahm In diesem Kapitel → werden das deutsche und britische Gesundheitssystem in ihren Grundzügen beschrieben; 37 → werden das deutsche, britische und US-amerikanische Gesundheitssystem als Beispiele für verschiedene Modelle einander gegenübergestellt; → werden ausgewählte Reformvorschläge für das deutsche Gesundheitssystem diskutiert; → wird das Problem der Zweiklassenmedizin im deutschen Gesundheitssystem beschrieben und Ansätze vorgestellt, wie es überwunden werden kann. Ein Beispiel aus dem Alltag Was steckt in der Geschichte drin? Stellen Sie sich folgende Situation vor: „Anna(28) wacht mit hohem Fieber auf. Sie geht zur Ärztin, wird krankgeschrieben und erhält ein Rezept. Sie meldet sich bei ihrem Arbeitgeber krank und holt sich das Medikament aus der Apotheke. Nachdem sie sich auskuriert hat, ist sie am übernächsten Tag gesund und kann wieder zur Arbeit gehen.“ Wahrscheinlich ist das eine Geschichte, die so oder ähnlich jeden Tag in Deutschland passiert. Sie erscheint alltäglich. Gleichzeitig verbinden sich mit der Geschichte aber einige wichtige Kennzeichen des deutschen Gesundheitssystems. Beispielsweise: → Solidarprinzip: Welche Behandlung Anna erhält, richtet sich grundsätzlich nach der Erkrankung, nicht nach dem Einkommen. → Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Für die Zeit, in der sie sich erholt, bekommt sie keinen Abzug vom Lohn. → Freie Arztwahl: Anna ist zu ihrer üblichen Hausärztin gegangen. Sie hätte aber auch zu einem anderen Hausarzt oder einer anderen Hausärztin gehen können. In Deutschland gibt es eine freie Arzt37 Die Pflegeversicherung wird in Kapitel 7.5(Alterung der Gesellschaft und Pflege) beschrieben. 142 Sozialstaat und Soziale Demokratie
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