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Die Planungszelle - zur Praxis der Bürgerbeteiligung : Demokratie funkelt wieder
Entstehung
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FES-Analyse Die Planungszelle Zur Praxis der Bürgerbeteiligung Demokratie funkelt wieder Peter C. Dienel April 2002 Demokratie ist die Herrschaft der Bürger. Bürge­rin oder Bürger sein ist keine Frage von Stem­peln im Ausweis, vom Besuch von Bildungsse­minaren oder der Kenntnis von Gesetzgebungs­prozessen. Wireinfachen Menschen wollen die Bürgerrolle vielmehr unmittelbar erfahren. Das ließe sich auch machen. Wir müssten nur förmlich Einfluss auf die Klärung eines der gro ßen Probleme unserer Gesellschaft nehmen kön­nen, und zwar mit begründeter Aussicht auf Wirkung. Ein solches Mitwirken ist heute möglich. Es gibt seit einiger Zeit eine Innovation, die dieses Ge­brauchtwerden erlaubt, nämlich ein aufgaben­orientiertes, zeitlich genau befristetes Tätigwer­den an einem konkreten, zur politischen Lösung anstehenden Problem für jedermann und-frau. Das leistet das VerfahrenBürgergutachten durch Planungszellen. Die Berechtigung, da­bei mitzumachen, wird dem Einzelnen jeweils (das ist ein wesentliches Merkmal des Modells) in einem geordneten Zufallsverfahren zugespro­chen. So könnten eines Tages Millionen von Menschen an einer als Ernstfall erkennbaren Situation partizipieren. In der Erprobungsphase des Modells Planungs­zelle(PZ) haben immer in Gruppen á 25 Per­sonen bisher schon über 7000 Erwachsene vergütet und jeweils vier Tage lang mitgearbei­tet. Diese noch neuartigen Dialog-Foren finden niemals isoliert, sondern in Projekten statt, die bei gleicher Aufgabenstellung mehrere PZn mit denselben Informationseingaben umfassen. Die Versuche belegen eindrucksvoll, wie sehr derErlebnisurlaub im Interesse des Staates die Menschen fasziniert. Die Teilnehmer lernen extrem schnell. Solch Mitwirken belehrt zugleich darüber, wie schwierig es ist, zu planen. Vor al­lem aber verhilft dieseMitmach-Industrie den Menschen zu einer von ihnen offenbar seit lan­gem vermissten Identität als Bürger. Der wesentliche Unterschied zu anderen Betei­ligungsverfahren besteht zunächst darin, dass dessen Vorschläge deutlich am Gemeinwohl orientiert sind.