11 Helmut Richter „Bowling alone“ in der individualisierten Gesellschaft? Wie können gesellschaftliche Exklusionsprozesse verhindert werden? Vorbemerkung Im Rahmen dieser Tagung geht es um die Erörterung von zwei Fragen, nämlich zum einen, wie gesellschaftliche Solidarität in der gemeinschaftlichen, sozialen Praxis erzeugt und erneuert werden kann, und zum anderen, was die Rolle der Familie dabei ist. Mein Beitrag beschäftigt sich im Wesentlichen mit der ersten Frage. Sein Titel„Bowling alone“ wiederholt den Titel eines Buches des amerikanischen Soziologen Robert Putnam aus dem Jahre 2000. In seinem Buch hat Putnam die These des amerikanischen Pädagogen Lyda Hanifan aus dem Jahre 1916 aktualisiert, wonach das nachbarschaftliche Leben in der amerikanischen community zunehmend der Isolation in der Familie gewichen sei. Mit diesem Schwinden des Sozialkapitals – wie Hanifan es nannte – sei das Fundament bedroht, auf dem die amerikanische Gesellschaft sich gründe: die Demokratie. Diesen Gedanken hat Putnam wieder aufgegriffen, indem er u.a. am Beispiel des Bowlings nachzeichnet, dass – obwohl immer mehr Amerikaner bowlen – der organisierte Wettkampf seit den 1980er Jahren um über 40 Prozent abgenommen habe. Auch Putnam sieht hierin einen Beleg für den Niedergang der amerikanischen demokratischen Zivilgesellschaft. In meinem Beitrag geht es um die Diskussion dieses Themas in Deutschland, die um die Begriffe Ehrenamt bzw. freiwilliges oder bürgerschaftliches Engagement geführt wird. Vorher aber möchte ich mich kurz vorstellen.
Druckschrift
Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
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