49 Michael Corsten Lebensverläufe und sozialer Wandel Die Konferenz„Solidarität im 21. Jahrhundert. Die Familie – Soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft“ nahm zwei Entwicklungen zum Thema, die in den letzten Jahren eine gewisse Bedeutung erlangt haben. Die erste dieser Entwicklungen besteht darin, dass die Frage nach dem Charakter der Familie wieder an Relevanz gewonnen hat, was möglicherweise am besten daran erkennbar ist, dass die Frage nach der Familie, ihrer Qualität und ihrer Bedingungen nicht nur – wahrscheinlich noch nicht einmal vornehmlich – von wertkonservativer Seite gestellt wird. Die zweite Entwicklung zeigt sich in einem wiederkehrenden Interesse am Thema der sozialen Bindungen. Auch die Sozialwissenschaften setzen sich mit dieser Problematik verstärkt auseinander und haben dabei sogar den Begriff des Sozialkapitals, der im Titel der Konferenz mit enthalten ist, in die Diskussion eingebracht. Offenbar sind also mit diesen beiden Themen, Familie und Sozialkapital, Prozesse angesprochen, die sozialen Wandel indizieren. Die von mir in diesem Beitrag eingenommene Perspektive der Lebenslaufsoziologie ist allerdings skeptisch gegenüber einem allzu inflationären Gebrauch der Kategorie des sozialen Wandels und versucht deshalb, Zeitgeistdiskurse von längerfristigen Wandlungstendenzen zu unterscheiden, um nicht zu vorschnell und allzu aufgeregt einzelne, scheinbar überraschende Einzelbefunde als etwas ganz und gar Neues oder Aktuelles zu stilisieren. Denn
Druckschrift
Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
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