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Solidarität im 21. Jahrhundert : die Familie - soziales Kapital einer menschenwürdigen Gesellschaft ; Dokumentation einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. Juni 2002 in Bonn
Entstehung
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61 Gesine Schwan Familienpolitik und Zivilgesellschaft In die Arbeit, die ich jetzt als Universitätspräsidentin mache, habe ich sehr viele Kompetenzen aus meiner Familienerfahrung eingebracht. Mit den Kolleginnen und Kollegen umzugehen, ist viel leichter, wenn man mit Kindern umgegangen ist. Ich habe also wirklich eine Menge in der Familie gelernt, zumal ich einen erheblichen Abschnitt meiner Zeit auch als Alleinerziehende verbringen musste, weil man Mann starb, als meine Kin­der 12 und 14 Jahre alt waren. Was hat die Familie mit der Bürgergesellschaft zu tun? Wir haben bisher fälschlicherweise diese beiden Bereiche wenig zusammengebracht. Aber die Bürgergesellschaft, auf die wir alle mehr und mehr bauen wollen und müssen, um unsere Demokratie und den Sozialstaat lebendig zu erhalten, braucht eine Grundlage in einer zeitgemäßen und ich sage bewusst zeitgemäßen Familie. Ich will versuchen zu zeigen, warum das so ist. Das Adjektivbürgerlich und es wird jetzt über weitere Strecken erst einmal über die Bürgergesellschaft gehen klingt nicht gut bei uns. Bürger klingt schon besser, viel besser. Aber würden wir alle, die hier leben, als Bürger bezeichnen? Und was würden wir damit meinen? Haben wir ein gemeinsames Verständnis vom Bürger, gar von der Bürgergesell­schaft? Ich denke kaum. Deshalb lohnt es sich, einigen auch gegen­sätzlichen Bedeutungen, die wir mit diesem Wort verbinden, nach­zugehen. Sie rühren in der Regel aus sehr unterschiedlichen, oft inko­härent und gebrochen übermittelten Traditionssträngen. Das Interesse an ihnen ist allerdings in meinen Überlegungen kein vornehmlich histori­sches, sondern ein praktisches. Es zielt auf Verständigung und auf poli­tische Konsequenzen in heutiger Zeit.