Sammelwerk 
Wo stehen wir im Erweiterungsprozess? : Das Kapitel Landwirtschaft ; eine Veranstaltung der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 29. April 2002, Berlin
Entstehung
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2 Landwirtschaftliche Betriebe in den Beitrittsländern in der Transformation- ein Praxisbericht aus Polen Jan Krzysztof Ardanowski Mitglied des Vorstandes des Hauptverbands der Landwirtschaftskammern, Warschau/Polen 2.1.1 Die Entwicklung der polnischen Landwirtschaft bis 1990 Ein Gesamturteil über den Zustand polnischer Agrarbetriebe ist sehr schwie­rig, genauso wie die Beurteilung der polnischen Landwirtschaft nicht eindeutig ist. Ohne Zweifel hatten politische Rahmenbedingungen- fünfzig Jahre Kom­munismus in Polen- eine besondere Auswirkung auf ihre Lage. Einen Einfluss auf die Einschätzung der Landwirtschaft haben regionale Unterschiede, deren Ursachen in einer unterschiedlichen Geschichte der polnischen Regionen im 19. und 20. Jahrhundert zu finden sind. Als einziges Land unter allen Ländern Mittel-Osteuropas, welche mit der Zu­stimmung der Westmächte in Jalta in den Einflussbereich des totalitären, kommunistischen Sowjetregimes übergeben wurden, hat Polen ein dominie­rendes, privates Landeigentum aufrechterhalten. Private Bauernbetriebe hat­ten ca. 80% des Ackerlandes inne, und Staatsbetriebe und Quasi­Landgenossenschaftsbetriebe verfügten über die weiteren 20% der Böden. Die staatlichen Fördermittel für die Landwirtschaft flossen jedoch in einer ge­radezu umgekehrten Proportion. Der entschieden größere Teil der Unterstüt­zung kam den von den kommunistischen Machthabern unterstützten Staats­und Kollektivbetrieben zugute. In einem erheblichen Teil dieser Betriebe wur­den aufgrund fehlender Kompetenz des Managements viele Mittel vergeudet oder gestohlen. Fast während der gesamten Periode des real existierenden Kommunismus in Polen litten die Bauernbetriebe sowohl unter fehlenden fi­nanziellen Mitteln, als auch unter fehlenden Investitionsmöglichkeiten. Unter anderem aus dem Grund, dass in dieser"Mangelwirtschaft" Baumaterial, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte bzw. sonstige Produktionsmittel permanent reglementiert wurden. Etwas besser denkt man an das Jahrzehnt der 70er Jahre zurück, als die da­maligen kommunistischen Machthaber in Polen auf Kosten enormer, im Wes­ten aufgenommener Kredite, die Investitionen auch in der Landwirtschaft er­höhten. Die Entwicklung der Landwirtschaft begünstigten vor allem die Investi­30