Sammelwerk 
Wo stehen wir im Erweiterungsprozess? : Das Kapitel Landwirtschaft ; eine Veranstaltung der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 29. April 2002, Berlin
Entstehung
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besondere in den letzten Jahrzehnten verhältnismäßig gut abgefedert werden. Zentrale gesellschaftliche Probleme wie ­die Sicherung der Nahrungsversorgung und ­die breite Beteiligung der landwirtschaftlichen Bevölkerung am gesellschaft­lichen Wohlstandszuwachs können als weitgehend bewältigt angesehen werden. Dieser Wandel wurde insbesondere durch den Aufbau eines umfassenden In­stitutionenrahmens erreicht, d.h. einer gesonderten Agrarpolitik, der Agrarfor­schung, des Bodenrechts, des Agrarkreditwesens, des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens und agrarsozialer Sicherungssysteme, die einerseits auf Produktivitätssteigerung und andererseits auf die Absicherung der sozialen Folgen des Strukturwandels ausgerichtet wurden. Diese Ausdifferenzierung des Agrarsektors als gesellschaftliches Teilsystem hat erhebliche Rationalisie­rungs- und Produktivitätsfortschritte ermöglicht. Allerdings wurden durch diese Entwicklung mehr oder weniger zwangsläufig zahlreiche wichtige Aspekte ausgeblendet. Es sind heute insbesondere die nicht-intendierten Nebenfolgen des Strukturwandels, die uns mehr und mehr beschäftigen. Diese treten zum Teil, z.B. im Umweltbereich, in Form von negativen Externalitäten in Erschei­nung, und ergeben sich andererseits nahezu zwangsläufig aus den nicht zu­letzt durch den agrarstrukturellen Wandel selbst ermöglichten allgemeinen ge­sellschaftlichen Veränderungen. Produktionsüberschuss ermöglicht eine Aus­differenzierung des Konsums, konsumtive(oft ästhetische) Ansprüche werden in zunehmenden Maße an die Landnutzung herangetragen(Stichwort: Multi­funktionalität), und wir leben zum ersten Mal in einer Gesellschaft, in der der überwiegende Teil der Bevölkerung ohne direkten Bezug zur Landwirtschaft lebt und aufgewachsen ist. Ländlicher Raum und Landwirtschaft wurden lange Zeit als nahezu identisch angesehen. Heute kann der Agrarsektor nur noch sehr begrenzt als Motor der ökonomischen Entwicklung und als institutioneller Rahmen der gesellschaftli­cher Integration der ländlichen Räume angesehen werden. Zuweilen ist die Beziehung Landwirtschaft und ländlicher Raum oft eher problematisch. Das gilt insbesondere dann, wenn die Aufrechterhaltung einer einseitig auf die ma­terielle Produktion ausgerichteten Landwirtschaft alternative, auf die Aus­schöpfung immaterieller Landnutzungsinteressen gerichtete, Entwicklungspo­tenziale hemmt. Die Agrarpolitik kann diese gesellschaftlichen Veränderungen und die Neben­folgen der überkommenen Modernisierungsstrategie seit einiger Zeit nicht 37