besondere in den letzten Jahrzehnten verhältnismäßig gut abgefedert werden. Zentrale gesellschaftliche Probleme wie die Sicherung der Nahrungsversorgung und die breite Beteiligung der landwirtschaftlichen Bevölkerung am gesellschaftlichen Wohlstandszuwachs können als weitgehend bewältigt angesehen werden. Dieser Wandel wurde insbesondere durch den Aufbau eines umfassenden Institutionenrahmens erreicht, d.h. einer gesonderten Agrarpolitik, der Agrarforschung, des Bodenrechts, des Agrarkreditwesens, des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens und agrarsozialer Sicherungssysteme, die einerseits auf Produktivitätssteigerung und andererseits auf die Absicherung der sozialen Folgen des Strukturwandels ausgerichtet wurden. Diese Ausdifferenzierung des Agrarsektors als gesellschaftliches Teilsystem hat erhebliche Rationalisierungs- und Produktivitätsfortschritte ermöglicht. Allerdings wurden durch diese Entwicklung mehr oder weniger zwangsläufig zahlreiche wichtige Aspekte ausgeblendet. Es sind heute insbesondere die nicht-intendierten Nebenfolgen des Strukturwandels, die uns mehr und mehr beschäftigen. Diese treten zum Teil, z.B. im Umweltbereich, in Form von negativen Externalitäten in Erscheinung, und ergeben sich andererseits nahezu zwangsläufig aus den nicht zuletzt durch den agrarstrukturellen Wandel selbst ermöglichten allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen. Produktionsüberschuss ermöglicht eine Ausdifferenzierung des Konsums, konsumtive(oft ästhetische) Ansprüche werden in zunehmenden Maße an die Landnutzung herangetragen(Stichwort: Multifunktionalität), und wir leben zum ersten Mal in einer Gesellschaft, in der der überwiegende Teil der Bevölkerung ohne direkten Bezug zur Landwirtschaft lebt und aufgewachsen ist. Ländlicher Raum und Landwirtschaft wurden lange Zeit als nahezu identisch angesehen. Heute kann der Agrarsektor nur noch sehr begrenzt als Motor der ökonomischen Entwicklung und als institutioneller Rahmen der gesellschaftlicher Integration der ländlichen Räume angesehen werden. Zuweilen ist die Beziehung Landwirtschaft und ländlicher Raum oft eher problematisch. Das gilt insbesondere dann, wenn die Aufrechterhaltung einer einseitig auf die materielle Produktion ausgerichteten Landwirtschaft alternative, auf die Ausschöpfung immaterieller Landnutzungsinteressen gerichtete, Entwicklungspotenziale hemmt. Die Agrarpolitik kann diese gesellschaftlichen Veränderungen und die Nebenfolgen der überkommenen Modernisierungsstrategie seit einiger Zeit nicht 37
Sammelwerk
Wo stehen wir im Erweiterungsprozess? : Das Kapitel Landwirtschaft ; eine Veranstaltung der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 29. April 2002, Berlin
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