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Die Angst auf dem Parkett : Sonntag, 27. Oktober: Stichwahlen in Brasilien
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Kurzberichte aus Lateinamerika ______________________________________________________________________________________ Brasilien Oktober 2002 Sonntag, 27. Oktober: Stichwahlen in Brasilien Die Angst auf dem Parkett Während der Kandidat der Arbeiterpartei PT, Luiz Inácio Lula da Silva, in Umfragen seinen Vorsprung vor dem Regierungskandidaten José Serra weiter ausgebaut hat, erhöhte die Zentralbank die Leitzinsen von 18% auf 21%, um den rasanten Verfall des Werts der brasilianischen Währung Real über 40% seit Jahresbeginn- und den drohenden Anstieg der Inflation aufzuhalten. Gleichzeitig wurde Brasilien nach Argentinien und Nigeria nach Einschätzung der Investoren zu einem der riskantesten Schuldner der Welt. Angst vor dem Butzemann? Spekulation ge gen eine prinzipiell gesunde Wirtschaft? Vorboten eines unvermeidlichen default? Wie auch immer: wenn das Ergebnis der Stichwahlen am 27. Oktober keine Entspannung der Märkte bringt, droht eine Kettenreaktion, die die Weltwirtschaft noch tiefer in die Krise treiben kann. Seit der neuen Welle von Finanzkrisen Mexiko 1995, Asien 1997, Russland 1998, Argentinien 2001 und inmitten einer weltweiten Vertrauenskrise hat sich die Risikoaversion der internationalen Inves­toren gegenüber den emerging markets drastisch erhöht. Insbesondere Brasilien, das auf das Vertrauen internationaler Anleger angewiesen ist, um seinen Schuldendienst zu finanzieren, ist seit einigen Monaten einer Spekulationswelle ausgesetzt, die das Land an den Rand eines Moratoriums treibt und die es selbst erfahrenen Beobachtern schwer macht, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Nicht Argentinien, wie man heute weiss, sondern Brasilien war der Musterknabe des IWF: Die achtjährige Präsidentschaft von Fernando Henrique Cardoso war die wohl erfolgreichste in der brasilianischen Ge­schichte. Sie besiegte in kurzer Zeit die Hyperinflation ohne die in Lateinamerika üblichen Schocktherapien und ohne eine Rezession auszulösen. Die 1994 eingeführte Währung Real bewies eine beachtliche Stabilität bis sie erst 1999 unter dem Eindruck der Russlandkrise abgewertet und ihr Wechselkurs freigegeben wurde. Die Inflationsrate bewegt sich seit 1996 im einstelligen Bereich. Die Modernisierung der Steuerverwaltung und die Einführung einkommensstarker Sondersteuern erhöhte die Staatseinnahmen von ca. 27% auf über 32% des BIP während die Staatsbanken privatisiert und den Gebietskörperschaften finanzielle Disziplin auferlegt wurde. Bis 1996 stiegen das Sozialprodukt und die Realeinkommen, die Arbeitslosigkeit ging zurück und der Anteil der extrem Armen sank von ca. 20% auf ca. 15%. Abgesichert durch einen IWF­Kredit erwirtschaftete der Fiskus einen primären Überschuss(vor Schuldendienst), die Privatisierungen lockten umfangreiche ausländische Investitionen in das Land und kurzfristige Schulden wurden in langfristige Verbindlichkeiten umgewandelt. Diese Fortschritte gerieten jedoch spätestens in der zweiten Amtsperiode Cardosos ab 1998 ins Stocken; die Wachstumsraten