Brennpunkt IRAK Dr. Hans J. Esderts und Christoph Schuck Mögliche Auswirkungen eines U.S.-amerikanischen Angriffes gegen den Irak im Hinblick auf Indonesien Vorbetrachtungen Indonesien gilt zurecht als das größte islamische Land der Erde, knapp 90% der etwa 220 Millionen Einwohner sind Muslime. In diesem Zusammenhang dürfte es naturgemäß wenig überraschen, wenn ein Angriff der USA auf den ebenfalls überwiegend von Muslimen bevölkerten Irak erhebliche Auswirkungen auch auf Indonesien hätte. Gleichwohl handelt es sich bei diesem Staat, dessen Territor ium sich auf mehr als 14.000 Inseln verteilt, aus mehreren Gründen um einen Sonderfall. Auf die zwei wichtigsten soll an dieser Stelle verwiesen werden. Der erste Punkt bezieht sich dabei auf die staatskonzeptio nelle, der andere auf die gesellschaftliche Ebene. Auch wenn man gegenwärtig ohne Zweifel Indonesien noch keinesfalls mit einer positiv konsolidierten Demokratie gleichsetzen kann, muss dennoch konstatiert werden, dass dieses Land bereits auf Elemente einer demokratischen Gesellschaftsordnung zurückgreift, beispielsweise auf freie Wahlen. Es kann in diesem Zusammenhang als offensichtlich angesehen werden, dass solche Staaten auf einen Irak-Krieg anders reagieren werden als autokratische Systeme. Die Ausprägung der indonesischen Form des Islam ist darüberhinaus nicht mit der vieler Staaten des Mittleren Ostens oder Afrikas zu vergleichen. Auch hier handelt es sich im Hinblick auf Indonesien um einen Sonderfall, der unter normativen Gesichtspunkten durchaus als vorteilhaft bewertet werden kann. Dieser, auch unter demokratischen Aspekten wünschenswerte Status würde jedoch im Falle eins Irak-Krieges maßgeblich gefährdet werden. In diesem Zusammenhang bieten sich einige detailliertere Überlegungen an. Zur Gestaltung der indonesischen Gesellschaft und zur Ausprägung des Islam Viele Menschen des Westens verbinden mit der islamischen Religion Elemente der Aggressivität und Bedrohung. Sie legen in diesem Zusammenhang jedoch ein verallgemeinerndes und undifferenziertes Bild zugrunde. Richtig ist, dass in jeder Religion – im Christentum, bei den Buddhisten, Hindus, Juden und auch im Islam – radikale und moderate Strömungen zu beobachten sind. Wird diese Hypothese berücksichtigt, wird deutlich, dass Differenzierungen notwendig sind, um polit ische und gesellschaftliche Entwicklungen adäquat nachvollziehen zu können. Auf das indonesische Beispiel bezogen verdeutlicht eine solche Vorgehensweise, dass die hiesige Ausprägung des Islam eine ganz besondere ist – eine, die, auf die überwältigende Mehrheit bezogen, weder auf Radikalität beruht noch als mit demokratischen Normen unvereinbar eingestuft werden kann. Im Wesentlichen begründet sich dieser Sachverhalt in zwei entscheidenden Merkmalen, der gesellschaftlichen Gesamtkonzeption Indonesiens und der spezifischen islamischen Philosophie. (1) Im Hinblick auf seine Bevölkerungs- und Religionsgruppen muss Indonesien als ausgesprochen heterogen eingestuft werden. Bereits die Staatsgründer, Sukarno und Hatta erkannten nach der Unabhängigkeit des Jahres 1945, dass der Fortbestand eines einheitlichen indonesischen Staates nur dann dauerhaft gewährleistet werden kann, wenn keine der verschiedenen Gruppen eine umfassende Dominanz ausübt. Die sog. Jakarta Charta, durch die die Verbindlichkeit des islamischen Rechts( Shariah) in der indonesischen Verfassung verankert werden sollte, wurde letztlich aus diesem Grund zurückgewiesen. Die spezifisch indonesische Staatsphilosophie, Pancasila, unterstreicht zusätzlich die Notwendigkeit eines einheitlichen Staates und betont explizit die Gleichberechtigung verschiedener Relig ionen. Sowohl unter Sukarno als auch später unter Suharto wurden 1 Die Maßnahmen der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Brennpunkt IRAK werden vom Referat Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika koordiniert. Informationen zum Thema finden Sie unter www.fes.de/brennpunkt
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Mögliche Auswirkungen eines U.S.-amerikanischen Angriffes gegen den Irak im Hinblick auf Indonesien
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