Druckschrift 
IGAD - Papiertiger vor Mammutaufgaben
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

IGAD Papiertiger vor Mammutaufgaben Ulf Terlinden Berlin, Februar 2004 DieIntergovernmental Authority on Development(IGAD) fungiert seit 1996 als revi­talisierte Regionalorganisation am Horn von Afrika. Sie umfasst neben Äthiopien, Djibuti, Kenia, Uganda, Sudan und Somalia seit 1993 auch Eritrea. IGAD ist keine typische Regionalorganisation. Es fehlen ihr zentrale Merkmale wie eine nennens­wert fortschreitende politische Integration, die Einrichtung einer Exekutive mit über­geordneten Kompetenzen, die Ausbildung eigener legislativer und judikativer Institu­tionen, eine rechtsverbindliche Verankerung sowie eine klare Vision von ihrer zukünf­tigen Entwicklung. Ebenso wird die Einrichtung eines Wirtschaftsraumes mit gemein­samem Binnenmarkt nicht angestrebt. Dennoch hat sich IGAD als entscheidendes politisches Forum am Horn von Afrika etabliert und bildet als solches den Rahmen der wichtigsten Friedensbemühungen der Region. 1. Entwicklung, Struktur und Hintergrund der Regionalor­ganisation 1.1 Von IGADD zu IGAD AlsIntergovernmental Authority on Drought and Development(IGADD) entstand 1986 der Vorläufer der heutigen IGAD. Die sechs IGADD-Länder strebten, ab 1993 ergänzt um Eritrea, zunächst die Einrichtung eines Früh­warnmechanismus für humanitäre Notlagen an. IGADD sollte insbesondere die wiederkeh­renden Dürresituationen rechtzeitig erkennen und die internationale Gemeinschaft alarmie­ren und mobilisieren helfen. Die Organisation befasste sich vor allem mit Themen wie Dürre, Desertifikation und Ernährungssicherheit. Mit diesem Mandat führte IGADD weitgehend ein Schattendasein, bis 1995 auf Initiative des kenianischen Präsidenten Moi einRevitalisie­rungsprozess begonnen wurde, der mit einer grundlegenden Mandatsveränderung einher­ging. Die reformierte IGAD verschrieb sich ab 1996 einem breiten Themenspektrum: Durch die Förderung von Ernährungssicherheit, gemein­samer Entwicklungsstrategien, nachhaltigen Umweltmanagements, regionaler Infrastruktur­entwicklung, Wissenschaftskooperation sowie von Frieden, Sicherheit und interregionalem Handel und der Verbesserung der Kommuni­kation und Infrastruktur sollten nun regionale Kooperation und ökonomische Integration verfolgt werden. Die mit Abstand treibende Kraft hinter der Wiederbelebung von IGAD bildete jedoch die Notwendigkeit, regionale Strategien zur Beilegung der zahlreichen zwi­schenstaatlichen und innerstaatlichen Konflikte zu finden. Kenia hatte daran als Aufnahmeland