Der Baumwollsektor in Benin: Armutsfalle oder Entwicklungsmotor? Jan Niklas Engels März 2004 Baumwolle ist das„weiße Gold“ Benins, denn für das rohstoffarme Land stellt es die wichtigste Einkommens- und Devisenquelle dar. Doch das Baumwollgeschäft wirft immer geringere Gewinne ab, da der Weltmarktpreis für Baumwolle kontinuierlich sinkt. Ein Hauptproblem sind die marktverzerrenden Subventionen von Industrie- und Schwellenländern zur Unterstützung ihres Baumwollsektors. Die ungerechten Handelsbedingungen benachteiligen die beninischen Baumwollproduzenten. Doch auch eine Reihe interner Probleme schwächen diesen wichtigen Wirtschaftssektor. Nur durch politisch mutige Reformen auf internationaler und nationaler Ebene könnte der Baumwollsektor zum Entwicklungsmotor der ganzen Region Westafrika werden. Die Baumwolle stellt das Rückgrat der beninischen Wirtschaft dar. So stammen knapp 70% aller Exporterlöse aus dem Verkauf von Baumwolle. Rund 35% der Fiskaleinnahmen des beninischen Staates werden dem Baumwollsektor zugeschrieben. Aber nicht nur die Landwirtschaft wird von der Baumwolle dominiert, auch der noch schwache Industriesektor ist von ihr abhängig. In 18 Entkörnungsbetrieben wird die Baumwollfaser maschinell von der Samenkapsel gelöst. Zwei Ölmühlen produzieren aus den Rückständen Baumwollsamenöl. Außerdem existiert eine kleine Textilindustrie, doch über 90% der Baumwollfasern werden für die Weiterverarbeitung exportiert. Schätzungen zufolge lebt die Hälfte der beninischen Bevölkerung direkt oder indirekt von der Baumwolle. Während die Produktionskosten für exportfähige Baumwollfasern jährlich steigen, ist ihr Weltmarktpreis in den letzten Jahrzehnten durchschnittlich um etwas weniger als ein Prozent jährlich gefallen. Gegenüber diesem langfristigen Trend gab der Preis für Baumwollfasern auf den Weltmärkten in den letzten drei Jahren sogar um knapp 40 Prozent nach. Der langfristige Abnahmetrend des Preises mit teilweise starken kurzfristigen Schwankungen hat vielerlei Ursachen: Ø Die Nachfrage nach Baumwolle ist relativ konstant und folgt weitgehend der Dynamik des Bevölkerungswachstums. Ø Substitutionsprodukte, in erster Linie synthetische Textilfasern, üben je nach Ölpreisniveau zusätz-
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