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Die koreanische Nuklearkrise : die Pekinger Sechsergespräche - Perspektiven für eine friedliche Lösung
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Juli 2004 Die koreanische Nuklearkrise: Die Pekinger Sechsergespräche- Perspektiven für eine friedliche Lösung Dr. Paul Pasch, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn Die friedliche Beilegung der koreanischen Nuklearkrise gehört heute zu den schwierigsten Aufgaben in der Weltpolitik. Totalitär und in sich gekehrt, ideologisch isoliert und wirtschaft­lich am Ende ist Nordkorea ein Fremdelement in einer globalisierten, marktwirtschaftlichen Umgebung. Das nordkoreanische Regime scheint dennoch zu überleben. Nicht zuletzt deswegen, weil die Führung des Landes der internationalen Gemeinschaft unter Drohungen immer wieder Konzessionen abtrotzt. Nordkoreas Nuklearpoker birgt die Gefahr in sich, dass aufgrund eines technischen Berech­nungsfehlers oder plötzlich eskalierender Spannungen eine Katastrophe über die Menschen in der Region hereinbricht. Für eine Lösung des Problems ist eine direkte Verständigung zwischen Nordkorea und den USA entscheidend. Solange die USA und Nordkorea sich jedoch gegenseitig als Bedrohung betrachten, dürfte dies schwierig sein. Daher erscheint der multilaterale Dialog im Rahmen der Pekinger-Sechsergespräche zur Zeit als vielversprechender Ansatz zur Erreichung von Frieden und Stabilität in Nordostasien. Der Umgang mit dem kommunistischen Nordk1 rea ist nach der Vertreibung der Taliban aus Afghanistan, der Absetzung Saddam Husseins im Irak und der andauernden militärischen Kon­frontation zwischen Israelis und Palästinensern eine der schwierigsten Aufgaben in der Weltpo­litik. Auch in diesem Konflikt geht es in erster Linie um die strategischen Interessen der Verenigten Staaten von Amerika. Hier geht es aller­dings weder um die Sicherung der Erdölreserven im Nahen und Mittleren Osten und des Kauka­sus, noch um die Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft. Nordkoreas Nuklear­poker ist eine Herausforderung für die nukleare Hegemonie der USA im Pazifik und ein Hindernis für Frieden und Stabilität in Nordostasien. Die dritten und vorerst ergebnislosen Sechserge­spräche vom 23. bis 26. Juni in Peking zwischen Japan, Russland, China, Nord- und Südkorea sowie den USA verdeutlichen die Komplexität des Problems. Unmittelbar nach dem Amtsantritt der Bush-Regierung Mitte Januar 2001 wurde 2 Nordkorea politisch und wirtschaftlich isoliert und im Februar 2002 auf die Achse des Bösen 3 gesetzt. Nachdem Pakistan im Anschluss an die Attentate vom 11. September 2001 der Allianz gegen den Internationalen Terrorismus beitrat und Libyen und der Iran Ende 2003 die Interna­tionale Atomenergiebehörde(IAEA) zur Inspek­tion ihrer Nuklearanlagen einluden, erscheint Nordkorea als der gefährlichste Schurkenstaat . 1 Wegen besserer Lesbarkeit des Textes werden die Termini Nordkorea und Südkorea benutzt und nicht die politisch korrekten Bezeichnungen Demokratische Volksrepublik Korea(DVRK) beziehungsweise Republik Korea(RK). 2 Vgl.Powell Opening Statement Before Senate For­eign Relations Committee, 17.01.2001, www.state.gov/secretary. 3 Vgl. Präsident George W. Bush,State of the Union Address, 29.01.2002, www.whitehouse.gov/stateoftheunion. - 1-