Fachtagung Friedrich Ebert Stiftung- 28./29. November 2002 Chancengleichheit im Bildungssystem: Ansatz für Qualität und faire Bildungschancen im europäischen Vergleich Michael Winkler: Bildungschancen im nationalen und internationalen Vergleichen- Lehren für Thüringen aus der PISA-Studie: Bildung als öffentliches und privates Gut Eigentlich müßte man eine Kerze anzünden, nicht nur wegen des nahenden Advents, sondern als Geburtstagslicht. Immerhin ist es inzwischen ziemlich genau ein Jahr her, dass die sogenannte PISA-Studie das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Seitdem ist manches passiert, doch läßt sich noch nicht klar absehen, welche Folgen die Untersuchung langfristig nach sich ziehen wird. Skepsis ist angebracht, denn die letzten Monate geben wenig Anlass zur Hoffnung, dass im deutschen Bildungssystem Entwicklungen eingeleitet werden, die nicht nur Gesichtspunkten einer Effizienzsteigerung folgen, sondern das verfügbare Wissen über gelingende Bildungsprozesse aufnehmen(vgl. Killius u.a. 2002). Allerdings sind die jüngeren Entwicklungen kaum eindeutig, unterschiedliche Beobachtungen sind möglich: Viele Beteiligte befinden sich noch immer- so eine erste Diagnose- in einer Art Schockzustand; dies überrascht kaum, denn jenseits der plakativen Ranking-Werte läßt die Studie alle Fragen offen, wie eine Reform des Bildungssystems aussehen sollte. Schlimmer noch: Es ist noch einigermaßen unklar, wie diese Fragen lauten. Eine zweite Diagnose hält hektische Betriebsamkeit zumindest in einigen Ministerien fest. Diese stellen alles auf den Prüfstand- oft genug in juristisch zweifelhaften Zugriffen, bei nüchterner Betrachtung: schon jetzt mit fatalen Effekten. Der Bund will Standards für das Bildungsgeschehen definieren, welche dann- die Wege sind unklar- in den Ländern gelten sollen. Fatal daran ist, dass solche Standards zwar den- wie das so schön neudeutsch heißt Output von Schulen festlegen, jedoch keine Aussagen über Grundbedingungen und Qualität des Unterrichtens machen. So werden zwar Schülerleistungen gefordert, während Ausstattungsbedingungen wie methodische Standards kaum zur Debatte stehen. Hektische Reaktionen zeigen irritierenderweise vor allem Bundesländer, die in der PISA-E-Studie vergleichsweise gut abgeschnitten haben, allen voran Baden-Württemberg- dort übrigens mit dem Effekt, dass sogar die Existenz der universitären Erziehungswissenschaft bedroht ist. Ohnedies zeichnen sich allerorts Verschiebungen zu Gunsten der akademischen Schulpädagogik und zu Lasten aller anderen Bereiche der Erziehungswissenschaft ab- das ist problematisch, weil beispielsweise die Elementarpädagogik in der Bundesrepublik an − 1 −
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Bildungschancen im nationalen und internationalen Vergleich - Lehren für Thüringen aus der PISA-Studie: Bildung als öffentliches und privates Gut : Chancengleichheit im Bildungssystem: Ansatz für Qualität und faire Bildungschancen im europäischen Vergleich - Fachtagung Friedrich-Ebert-Stiftung, 28./29. November 2002
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