Pakistan: Rückblick 2004, Ausblick auf 2005 Armin Hasemann, FES Islamabad, Januar 2005 • Nach wie vor sind die zivilen Institutionen des Landes stark durch die Polarisierung zwischen Regierung und Opposition und die starke Fragmentierung politischer Kräfte geschwächt. Präsident Musharraf gelang es weiterhin geschickt, die Fäden der Macht in seinen Händen zu bündeln. • Dennoch sprach sich die neunköpfige Commonwealth Ministerial Action Group Mitte Mai nach fast fünfjähriger Suspendierung der Mitgliedschaft für die Wiederaufnahme Pakistans in den Staatenbund aus. • Per Gesetz ermächtigte das Parlament Musharraf, die beiden Ämter des Präsidenten und des Armeechefs bis zum Ende der Legislaturperiode 2007 weiterhin gleichzeitig auszuüben. • Gegen die religiös motivierte Propaganda hat die Regierung eine richtungsweisende Veränderung des Strafrechts verabschiedet, die insbesondere die Instrumentalisierung der Hudood Ordinances erschweren und eine strafrechtliche Verfolgung sogenannter Ehrenmorde vorsehen. • Unter massivem amerikanischem Druck hat Pakistan im Frühjahr damit begonnen, die quasiautonomen Stammesgebiete der Nordwest-Grenzprovinz(NWFP) entlang der afghanischen Grenze militärisch zu durchdringen. • Dominierendes Thema der Tagespresse war die Entspannung mit Indien, die auf pakistanischer Seite im November in der inoffiziellen Veröffentlichung verschiedener Modelle für die Neuordnung Kaschmirs gipfelte. • Die wirtschaftliche Erholung hat sich weiter fortgesetzt. Schätzungen gehen von einer Stabilisierung des Wachstums auf hohem Niveau aus, wobei das stark beschleunigte Wachstum mit einem fast ebenso deutlichen Anstieg der Preise einher ging. So stieg die Inflationsrate auf zuletzt über 4,6%. • Während der Anteil des Schuldendienstes am Haushaltsentwurf 2004/05 leicht zurückging, blieb de rjenige des Verteidigungshaushaltes nahezu unverändert hoch bei rund 25%. Der Entwicklungsetat erhöht sich dagegen deutlich auf nun knapp ein Fünftel des Gesamtbudgets. • Der Anteil der Bildungsausgaben am BIP ist erstmals seit Jahren wieder leicht gestiegen und erreicht nun knapp immer noch klägliche 2%, während der Anteil der Ausgaben für Gesundheit bei rund 1% stagniert. • Anlass zur Sorge bereitet nach wie vor insbesondere die Situation am Arbeitsmarkt. So stieg die Arbeitslosenquote auf offiziell 8,27%. • Die Rolle der Frauen ist im öffentlichen Bereich weiterhin stark marginalisiert. Trotz Einführung der Frauenquote von 33% auf kommunaler Ebene ist es Frauen in einer Reihe von Distrikten nicht erlaubt, sich zur Wahl zu stellen oder auch nur an Wahlen teilzunehmen. Mandatsträgerinnen werden oft in der Ausübung ihrer Funktion behindert oder angefeindet. 1. Innen- und außenpolitische Entwicklung: Konsolidierung des neuen Kurses Mühsame Rückkehr zur Demokratie? Die im Jahr 2003 eingeleitete schrittweise Wiederherstellung der Demokratie wurde in diesem Jahr wiederholt in Frage gestellt. Nach wie vor sind die zivilen Institutionen des Landes stark durch die Polarisierung zwischen Regierung und Opposition und die starke Fragmentierung politischer Kräfte geschwächt. Die parlamentarische Arbeit war überwiegend durch Protestkundgebungen und Boykotte geprägt und kam häufig ganz zum Erliegen, während es Präsident Musharraf weiterhin geschickt gelang, die Fäden der Macht in seinen Händen zu bündeln. Dennoch sprach sich die neunköpfige Commonwealth Ministerial Action Group Mitte Mai nach fast fünfjähriger Suspendierung der Mitgliedschaft für die Wiederaufnahme Pakistans in den Staatenbund aus. Dieser auf Initiative Großbritanniens und Australiens und allgemein als Anerkennung der pakistanischen Unterstützung im Anti-Terrorkampf gewertete Schritt wurde allerdings an die Bedingung weiterer Demokratisierungsschritte und insbesondere die Erfüllung des 1
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