Südasien: Rückblick 2004, Ausblick auf 2005 Vesna Rodic, FES Delhi, Januar 2005 • Zum Jahresende sieht sich die Welt mit den Folgen einer der schwersten Naturkatastrophen aller Zeiten konfrontiert. Die Region wird Monate brauchen, um Rehabilitationsmaßnahmen für alle Notleidenden einzuleiten, und Jahre, sich von den Folgen der Katastrophe zu erholen. Gleichzeitig sind Zweifel angebracht, ob die Hilfe diejenigen erreichen wird, die sie brauchen. • Indien und Pakistan haben mit ihrem fortwährenden und ergebnisorientierten Entspannungsdialog Hoffnungen auf eine Lösung des Kaschmirkonflikts und die Normalisierung ihrer Beziehungen geweckt. • Die guten Beziehungen zwischen Nepal und Indien finden zur Zeit Ausdruck in konkreter militärischer Hilfe des„großen Bruders“. Der Bürgerkrieg zwischen maoistischen Rebellen und Sicherheitskräften der Regierung eskaliert. • Seit die Partei von Präsidentin Kumaratunga im April die Wahlen in Sri Lanka gewann und mit der ehemals revolutionären JVP koaliert, ist der Friedensprozess in Gefahr. • Pakistan hat unter massivem amerikanischem Druck im Frühjahr damit begonnen, die quasiautonomen Stammesgebiete der Nordwest-Grenzprovinz entlang der afghanischen Grenze militärisch zu durchdringen. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung und der Jagd auf al-Qaida-Mitglieder fanden großangelegte Militärkampagnen statt. In Afghanistan bleibt die Sicherheitslage ebenfalls instabil und beeinflusst die Lage der Nachbarländer. Auch nach den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2004 ist nur mit starkem internationalen Engagement der Frieden in Afghanistan zu gewinnen. • Die Ergebnisse des 12. SAARC-Gipfels in Islamabad sind hinsichtlich der politischen Kooperation marginal. Anders sieht es mit der wirtschaftlichen Kooperation aus. Das nach mehrmaligen erfolglosen Anläufen in Islamabad verabschiedete Abkommen SAFTA, das von 2006 bis 2016 graduell eine Freihandelszone in Südasien realisieren soll, wurde von den Regierungen und Teilen der Wirtschaftseliten als„wichtiger Durchbruch“ gefeiert. • Die diesjährigen Wahlen in der Region haben wieder einmal gezeigt, dass die politische Mitsprache der Frauen meist auf unter 10 Prozent beschränkt bleibt. In Indien ist die Anzahl der Parlamentarierinnen von 49 auf 44 ge fallen, in Sri Lanka besetzen sie nur neun Mandate. Südasien wird vom Ungleichgewicht zwischen dem Giganten Indien und seinen kleineren Nachbarstaaten geprägt. Die von schweren Demokratiedefiziten, Massenarmut und Konflikten geplagte SAARC-Region ist von Ländern umgeben, die politisch wie wirtschaftlich das Szenario auf dem Subkontinent mit beeinflussen. Der Anti-Terror-Krieg in Afghanistan und die allen Demokratisierungsbestrebungen trotzende Militärdiktatur in Burma entfalten ihre Wirkungen in der gesamten südasiatischen Region. Der Irakkrieg, Irans Nuklearwaffenprogramm sowie die Instabilität und der Ressourcenreichtum Zentralasiens berühren strategische und praktische Interessen jedes einzelnen Landes. Die Nähe Chinas und Russlands bestimmt seit langem die politische Dynamik in der Region. Seit Chinas WTOBeitritt wird die wirtschaftliche Entwicklung von der Großmacht zunehmend beeinflusst. Dieser Bericht konzentriert sich auf jene politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in den SAARCLändern und Afghanistan in 2004, die von regionaler und inte rnationaler Bedeutung sind: die politischen Beziehungen der südasiatischen Regierungen untereinander und mit Drittstaaten, deren Wirkung auf interne und externe politische Szenarien sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit und das Fortschreiten der regionalen Integration. Auch das Agieren einer sich langsam etablierenden südasiatischen Zivilgesellschaft wird kommentiert. Flutwellenkatastrophe verwüstet Südasien Periodische Naturkatastrophen gehören in Südasien zum Alltag: Im Sommer und Herbst sind in Folge starker Regenfälle und Überflutungen während der Monsunzeit in Indien, Nepal und Bangladesch 1.600 Menschen gestorben und Millionen obdachlos geworden. Zum Jahresende jedoch sieht sich die Welt mit den Folgen einer der schwersten Naturkatastrophen aller Zeiten konfrontiert: In Süd- und Südostasien rund um 1
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