Internationale Entwicklungszusammenarbeit Referat Afrika Die jugendliche Mehrheit der Bevölkerung zwischen Ausstieg, Aufruhr und Engagement Rein rechnerisch hätten die jungen Erstwähler Ghanas die Präsidentschaftsfrage in den gerade zurück liegenden Wahlen entscheiden können. Denn in diesen Wahlen vom 7. Dezember 2004 erreichte der Amtsinhaber, J.A.Kufuor, gerade einmal einen Vorsprung von 700.000 Stimmen vor seinem wichtigsten Herausforderer. In Ghana, mit seinen etwa 18 Millionen Einwohnern, von denen gut die Hälfte zur Wahl gegangen sind aber, stellen allein die 1.7 Millionen jungen Erstwähler ein enormen Stimmenanteil dar. Die Implikationen dieser demografischen Entwicklung aber werden bislang noch kaum in Zusammenhang gebracht mit dem Demokratisierungsprozess – weder in Ghana, noch in den anderen afrikanischen Ländern, in denen die Zahlenverhältnisse ähnlich sind. Bedauerlicherweise liegen(noch) keine wissenschaftlich fundierten Zahlen zum wirklichen Wahlverhalten der jugendlichen Wähler in diesen Wahlen vor. Aber es gibt klare Anzeichen dafür, dass ein recht hoher Anteil von jungen Leuten gewählt hat und dass der für viele Kommentatoren überraschend geringe Vorsprung des wieder gewählten Amtsinhabers Kufuor sich stark hieraus erklären lässt. Der folgende Beitrag folgt dieser Interpretation und argumentiert, dass hier ein grundlegendes Problem Ghanas und vermutlich einer Mehrzahl afrikanischer Länder aufscheint, das den noch jungen Demokratisierungsprozess nachhaltig gefährden kann. Es steht zu befürchten, dass die Kombination von wirtschaftlicher und demographischer Entwicklung derzeit dazu führt, dass die jugendliche Mehrheit ihrer vollen wirtschaftlichen und sozialen Teilhabemöglichkeiten beraubt wird. Aber wenn die Mehrheit der Bevölkerung für sich keine Zukunftsperspektiven mehr im Lande sieht, kann dies nicht ohne Folgen bleiben für den politischen Transformationsprozess selbst. Wenn die Mehrheit der Bevölkerung aus Jugendlichen besteht – mit steigender Tendenz Mit einem Durchschnittsalter von 18,6 Jahren und knapp zwei Dritteln der Bevölkerung jünger als 25 Jahre, ist die Altersstruktur von Ghana, einem vergleichsweise kleinen Land an der Westküste Afrikas, recht typisch für den Kontinent. Zugleich gilt Ghana derzeit als eines der Vorreiter- und Musterländer Afrikas im Hinblick auf Demokratieentwicklung, Strukturanpassung und sozialen Frieden. Grund genug, zu untersuchen, wie die demographische und die politische Komponente zusammen wirken und welche Herausforderungen für die Konsolidierung des bisherigen Demokratisierungserfolges entstehen. Wer sich heute auf den Straßen der großen Städte Ghanas umsieht, dem fällt die große und wachsende Anzahl offensichtlich untätiger,„abhängender“ Jugendlicher allenthalben auf. Das Leben spielt sich auf der Straße ab, hier werden für die Mehrheit die Lebenschancen und Risiken täglich neu verteilt: Wer weiß, vielleicht fällt heute ja ein kleiner Auftrag für Handlangerdienste ab, hofft die eine Gruppe. Mit einem bisschen Glück, so hoffen andere, ist irgendwo etwas los, wobei man mitmischen oder mitfeiern kann. Und alle hoffen darauf, dass ihnen persönlich das kleine Wunder widerfährt, das es ihnen ermöglicht, sich aus ihrer Zwangslage heraus zu arbeiten. Deshalb beobachten sie auch so aufmerksam den stockenden
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Die jugendliche Mehrheit der Bevölkerung zwischen Ausstieg, Aufruhr und Engagement : [Bericht
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