Die Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung Angolas nach dem Ende des Bürgerkrieges Willi Haan FES – Angola November 2004 Kolonialzeit, Misswirtschaft und ein 30jähriger Bürgerkrieg hinterließen nach dem Friedensschluss 2002 ein ruiniertes Land: • Die chaotische"Entkolonisierung" hinterließ ein Land ohne Humankapital, die nachfolgende Elite etablierte sich unter dem Mantel einer"marxistisch-leninistischen" Ideologie als autoritär kontrollierende Petro-Nomenclatura. • Die wirtschaftliche Infrastruktur ist sowohl aufgrund direkter Kriegseinwirkung als auch durch systematische Vernachlässigung und Misswirtschaft zerstört. • Städte und ehemals wichtige Produktionsstandorte liegen in Trümmern. • Eine politische Kultur nachhaltig schlechter Regierungsführung führte bis Kriegsende zu akkumuliert hohen Defiziten des öffentlichen Haushaltes, jährlichen Inflationsraten von 900% und zu einer Überbewertung der nationalen Währung von bis zum 6-fachen Wert des„Schwarzen Marktes“. • Ein boomender Export von Erdöl und Diamanten, der für 98% der Exporterlöse sorgt, verhindert ein wirkliches Interesse der Eliten an einer Entwicklung der Binnenwirtschaft. • Die öffentlichen Einnahmen hängen mit fast 70% am Tropf der Erdölförderung. • Ein allgegenwärtiger Staatsapparat verzehrt etwa 60% des erwirtschafteten Sozialproduktes. • Zinssätze von jährlich 200% würgen jegliche Initiative zu Investitionen ab. • Einzig eine von Krieg verschonte Öl- und Diamantenwirtschaft sorgte selbst in Zeiten der Misswirtschaft für positive Wachstumsraten von etwa 5% pro Jahr. Zugleich existiert die Hoffnung auf Friedensdividende mit ersten sich herausbildenden Ergebnissen: • Die makroökonomischen Rahmendaten verbessern sich seit Kriegsende stetig. • Ein Prozess der nationalen Versöhnung als Vorbedingung für den wirtschaftlichen Aufbau und die Entwicklung des Landesinneren beginnt in ersten Ansätzen. • Es beginnen erste ernsthafte Debatten über eine Verringerung der Dominanz des Staates und einer Entwicklung der wirtschaftlichen Potenziale des Landes. • Der Frieden ermöglicht erstmals eine Öffnung der Regierungsakteure im Hinblick auf Themen einer verbesserten Regierungsführung. • Einflussreiche gesellschaftspolitische Akteure mischen sich konstruktiv ein in den Gestaltungsprozess der zukünftigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes.
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