Druckschrift 
Wo drückt der Schuh? - Die zehn Hauptprobleme des Deutschen Mittelstands : Expertengespräch, Mittwoch, 4. Dezember 2002 [...] Berlin ; Thesen des Instituts für Wirtschafts- und Politikforschung, IWP, Köln, erstellt im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2002
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

nehmen haben und zum anderen sind geeignete Angebote bei der unübersicht­lichen Vielzahl nur schwer zu identifizieren. Lösungsansatz Bestehende und zu verabschiedende Gesetze müssen stärker als bisher auf ihre gründungshemmende Wirkung hin untersucht werden. Es sollte von staatli­cher Seite her auch darauf verzichtet werden, Existenzgründer und junge Un­ternehmen unter Generalverdacht zu stellen. In diesem Kontext muss überlegt werden, ob die Regelungen zu den bestehenden bürokratischen und liquiditäts­verkürzenden Voranmeldungen zur Umsatzsteuer respektive Vorauszahlungen zur Einkommensteuer für kleine und junge Unternehmen zu ändern sind. 8 Des Weiteren sollten Existenzgründer noch stärker als bisher von der Bedro­hung eines lebenslangen Bankrotts befreit und weitere Schritte auf dem Weg von einer Liquidations- hin zu einer Sanierungskultur unternommen werden. Konkret könnte dieses geschehen durch eine Verkürzung der siebenjährigen Wohlverhaltensphase auf fünf Jahre, einer stärkeren Eigenverwaltung bei Un­ternehmern, die durch unvorhersehbare Umstände zahlungsunfähig wurden, der Wiedereinführung des Steuerprivilegs für Sanierungsgewinne, die Rückstu­fung von Forderungsansprüchen der Bundesanstalt für Arbeit bzgl. des Insol­venzausfallgeldes und der Möglichkeit, bestehende Tarifverträge bei KMU im Insolvenzfall mit Zustimmung des Betriebsrates aufzuheben. Für die Unterstützungerwachsener Unternehmen würde sich die Schaffung von Netzwerken zur Beratung durch erfahrene Unternehmer anbieten. Ein ­bisher zu selten genutztes- Beispiel dafür sind Business Angels. Solche Netz­werke müssen allerdings ein leicht zugängliches und erkennbares Angebot für den Unternehmer haben, da sie sonst mangels Bekanntheit oder mangels Att­raktivität nicht wahrgenommen werden. Ein Vorschlag, der insbesondere die Gründungen aus Hochschulen fördern würde, ist die Einführung einesFamilien-BAföGs. Das Einkommen von selb­ständigen Jungakademikern reicht häufig nicht zum Bestreiten des Lebensun­terhalts aus. Die steuerliche Abzugsfähigkeit von elterlichenAusbildungszu­schüssen in den ersten Jahren der Selbständigkeit könnte somit die Bereit­schaft, auf ein gesichertes Einkommen als Angestellter zu verzichten, erhöhen. 8 Z.B. liegt die Grenze zur Umsatzbesteuerung in Großbritannien bei 50.000£, wobei der Unternehmer im Falle gerin­gerer Beträge wie auch in Deutschland ein Optionsrecht besitzt. 5