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Pakistan nach dem Erdbeben : politische Implikationen der Katastrophe
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November 2005 Pakistan nach dem Erdbeben: Politische Implikationen der Katastrophe Armin Hasemann, FES Islamabad 86.000 Menschen verloren nach offiziellen Angaben nach einem Erdbeben am 08. Oktober 2005 im Nordosten Pakistans sowie der Kashmirregion ihr Leben. Während die internationale Hilfe und Spendenbereitschaft bis zur Geberkonferenz am 19. Oktober in Islamabad zögerlich anlief, startete die pakistanische Zivilgesellschaft eine um­fangreiche Solidaritätsaktion ungeachtet vorhandener gesellschaftlicher Bruchlinien. Regierung und Armee kündigten an, dass die Koordination der Hilfsmaßnahmen über die Armee erfolgt, was zu einer kritischen Diskussion über Rolle und Fähigkeiten der Armee und des Militärhaushalts geführt hat. Unbeantwortet bleibt bisher die Frage nach einer zivilen Kontrolle der Koordinations- und Verteilungsstrukturen sowie strikter Korruptions- und Qualitätskontrolle. Hier könnte das Verhalten der internationalen Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen. Außenpolitisch ließ die Katastrophe Hoffnungen auf weitere Annäherung zwischen Indien und Pakistan aufkeimen. Neben positiver Meldungen über Hilfslieferungen und die Öffnung von Grenzübergängen gibt es aber auch Einschränkungen, da diese z.B. nur für Hilfsgüter­transporte und nicht für den Personenverkehr freigegeben wurden. Hintergrund Am Morgen des 08. Oktober 2005 hat ein Erdbeben der Stärke 7,8 auf der nach oben offenen Richterskala die Südflanke des Hima­laya im Nordosten Pakistans sowie der um­strittenen Kashmirregion erschüttert. Das Epi­zentrum befand sich nahe dem Zusammen­fluss von Kunhar und Jhelum zwischen den Städten Balakot(NWFP) und Muzaffarabad (Azad Kashmir). Von den Zerstörungen betrof­fen ist ein Gebiet, das etwa die Größe Hes­sens hat, wobei die eigentliche Katastrophen­region sich etwa hundert Kilometer vom Epi­zentrum in Richtung Norden und Osten sowie rund 75 Kilometer nach Süden erstreckt und neben den genannten Städten auch die Dist­rikthauptorte Mansehra und Battagram und das beliebte Touristenziel Naran im Kaghantal umfasst. Die Region ist überwiegend hochal­pin, topographisch außerordentlich schwierig und war auch vor dem Beben nur in den Haupttälern entlang der Flüsse Kunhar, Nee­lum und Jhelum infrastrukturell erschlossen. 86.000 Menschen verloren nach offiziellen Angaben in der Region ihr Leben, Hilfsorgani­sationen warnen angesichts des beginnenden Winters und der mangelnden Hilfsgelder vor weiteren Toten. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die internationale Geberkon­ferenz, die UN-Generalsekretär Kofi Annan am 19. Oktober in Islamabad eröffnete. Ohnmacht und verfehlter Stolz angesichts der Katastrophe Unmittelbar nach der Katastrophe kündigten Regierung und Armeespitze in völliger Unter­schätzung der Realitäten an, der Katastrophe mit Hilfe der Armee Herr werden zu wollen und zu können. Mittels einer Verwaltungsvor­schrift wurde die Earthquake Reconstruction and Rehabilitation Authority(ERRA) ins Leben