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Frieden für Aceh? : Perspektiven nach dem Abkommen zwischen indonesischer Regierung und GAM
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November 2005 Frieden für Aceh? Perspektiven nach dem Abkommen zwischen indonesischer Regierung und GAM Anett Keller 1 Die Schwere der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 und die große internationale Aufmerksamkeit sorgten in der indonesischen Krisenprovinz Aceh für eine erhöhte Friedensdy­namik: Mit einer Absichtserklärung(MoU) zur Beendigung des fast 30-jährigen Bürgerkrieges verpflichteten sich am 15. August 2005 die indonesische Regierung und die bewaffneteBewe­gung Freies Aceh(GAM) zur Einstellung der Kampfhandlungen und zur friedlichen Lösung des Konfliktes Bis zum Jahresende will die GAM ihre Waffen übergeben, im Gegenzug soll ein Teil des indone­sischen Militärs abgezogen werden. Eine neue Gesetzgebung im Rahmen einer regionalen Auto­nomie soll Aceh mehr Selbstverwaltung und den Großteil, der Einnahmen aus seinen Boden­schätzen sichern. Der Frieden wird überwacht von der aus EU- und ASEAN-Beobachtern beste­henden^ÅÉÜ=jçåáíçêáåÖ=jáëëáçå=(AMM)= Obwohl die Umsetzung des MoU bislang planmäßig verläuft, dürfen die massiven Probleme der Provinz nicht vergessen werden: Beide Konfliktparteien profitierten jahrzehntelang von der Kriegsökonomie, Gräueltaten gegen Zivilisten blieben unaufgeklärt. Bewaffnete Milizen treiben noch immer ihr Unwesen. Ihre vor allem jugendlichen Mitglieder haben zeitlebens kaum Frieden erlebt. Dazu kommen eine hohe Arbeitslosigkeit und zerstörte Verwaltungsstrukturen durch den Tsunami.= Internationale Hilfe sollte daher lokale Akteure in ihrem Bemühen unterstützen, für Aufklärung von Kriegsverbrechen der Vergangenheit zu sorgen; sich um Transparenz beim Wiederaufbau zu bemühen und zur Schaffung von wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven vor allem für die junge Generation Acehs beizutragen. Besonderes Interesse verdient auch die Stärkung der Frau­en Acehs und eine stärkere politische Partizipation der Zivilbevölkerung.= Konflikthistorie Fast 30 Jahre befand sich die indonesische Provinz Aceh an der Nordspitze der Insel Su­matra im Kriegszustand. Von der Ausbeutung der Naturressourcen(u.a. Erdgas, Erdöl, Tro­penholz) der strategisch wichtig an der Straße von Malakka gelegenen Region hatte neben internationalen Unternehmen vor allem die Zentralregierung in Jakarta profitiert. Der wachsende Widerstand der Acehnesen gipfel­te 1976 in der Formierung der bewaffneten Sezessionsbewegung dÉê~â~å=^ÅÉÜ= jÉêÇÉâ~= (GAM), die trotz wiederholter Militäroperatio­nen während der Suharto-Herrschaft unge­bremsten Zulauf erhielt. Zuletzt standen in Aceh etwa 40.000 indone­sische Soldaten rund 3.000 bewaffneten Re­bellen gegenüber. Die Opferzahlen des Kon­flikts rangieren zwischen 12.000 und 20.000 und werden mehrheitlich der Zivilbevölkerung zugeordnet. Im Laufe der Konfliktjahre bildete sich mit Waffenschmuggel, Drogenhandel und Schutzgelderpressung eine typische Kriegsökonomie heraus, von der beide Kon­fliktparteien profitierten 2 . Das Militär ging mit brutaler Härte auch gegen Zivilisten vor, die im Verdacht standen, die GAM zu unterstüt­zen: willkürliche Verhaftungen und Sippen­haft, Folter und Vergewaltigungen gehörten zu den Taktiken der Kriegsführung.