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Bosnien und Herzegowina
Entstehung
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Konfliktanalyse Bosnien und Herzegowina, November 2005 Zwar sind mit der Schaffung gemeinsamer Militärstrukturen und einer landesweit einheitlichen Zoll- und Steuerverwaltung in den vergangenen Jahren wichtige Ziele bei der anvisierten Zusammenlegung der bürgerlichen Rechtsstaaten gemeinhin charakteri­sierenden Organe erreicht worden. Doch über Potenzial, im Laufe der weiteren Kompetenzreduzierung von Entitäten und Kantonen oder gar deren Abschaffung erhebliche Konflikte heraufzubeschwören, verfügen alle Parteien. Vor allem die Verflechtung Angehöriger der politischen Klasse mit dem organisierten Verbrechen bereitet Pessimisten Sorge. Ein letztlich von der Mafia kontrolliertesschwarzes Loch in Europa, ohne substanzielle Verbindung mit der EU, könnte entstehen, sollten die in den vergangenen Jahren erfolgten institutionellen Neuerungen nicht bald von fortschrittlicherem Personal durchgesetzt werden.Wir bleiben der Hinterhof Europas, lautet eine weitere Beschreibung des von vielen bereits in der Gegenwart verorteten Worst-Case­Szenarios. Neben der Befürchtung, den Vertretern der schwachen gesamtstaatlichen Organe könnte auf dem langen Weg in die EU die Puste ausgehen im Kampf gegen kleinstaatlich denkende Blockierer, bleibt die Angst vor anhaltender wirtschaftlicher Stagnation und einem Rückfall in die allgemein als abgeschlossen betrachtete Phase von Wiederaufbau und humanitärer Hilfe. Schließlich bleibe der Zufluss ausländischen Privatkapitals seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau konstant, ebenso wie der Bevölkerungssockel von einem Fünftel unterhalb der Armutsgrenze. Schätzungen der Weltbank zufolge reicht eine kleinere wirtschaftliche Krise aus, um ein weiteres Drittel der Bevölkerung in die Armut zu drängen. Bislang lediglich aus Szenarien von Think Tanks für das Kosovo geläufig, bleibt bei der Entwicklung negativer Zukunftsszenarien selbst das Stichwort Palästina nicht aus. Wie im Gaza-Streifen würdenFundamentalisten aller Seiten gestärkt, sollten die für die Nachkriegsphase prägenden, ethnonationalistisch motivierten Blockaden die Beitrittsverhandlungen zum Stillstand bringen. Die heute in weiten Kreisen verbreitete Politikverdrossenheit könnte umschlagen in eine Radikalisierung, von der islamische Fundamentalisten ebenso profitieren könnten wie rechtsextreme Gruppierungen. Wie weit der von vielen Internationalen importierte Wunschtraum, eine multiethnische Gesellschaft in Bosnien wieder herzustellen, von der Realität entfernt ist, zeigt die Zahl der Städte, wo die größte Bevölkerungsgruppe weniger als achtzig Prozent stellt. Abgesehen von den zwischen bosnischen Kroaten und Muslimen geteilten Städten Stolac und Mostar weisen lediglich Tuzla und Brcko größere Bewohnerzahlen aller drei Seiten auf. Zu einer Umkehr des Trends, in Gebiete der eigenen Bevölkerungsgruppe überzusiedeln, dürfte es in nächster Zeit kaum kommen, zum Bruch mit dem fast flächendeckend hegemonialen monoethnischen Bewusstsein deshalb auch nicht. 3.2 Friedenspotenziale/ Transformation zur Demokratie Kann die wirtschaftliche Vereinigung Bosniens für ein Zusammenwachsen auch auf politischer Ebene sorgen? Stellt die Fusion der drei Kriegsarmeen zu einer gesamtbosnischen einen Fortschritt dar oder verschafft sie alten Armeekadern nur neue Legitimität? Wie in vielem in Bosnien wirft die je nach Standpunkt völlig unterschiedliche Wahrnehmung der Wirklichkeit ihre Schatten auf die daraus entwickelten Perspektiven. Befragt, ob Bosniens EU-Beitritt 2015 ein realistisches oder ein optimistisches Ziel sei, ordneten sich die Gesprächspartner fast in gleicher Zahl einer der beiden Optionen zu. Daran, dass die Annäherung und spätere Aufnahme in die Unionalternativlos sei, ließ kaum einer Zweifel. Um Konfliktpotenziale zu reduzieren, muss langfristig an den strukturellen Schwächen gearbeitet werden. Mehr als eine vage Hoffnung, nichtnationalistische Kräfte könnten die 22