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Bosnien und Herzegowina
Entstehung
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Konfliktanalyse Bosnien und Herzegowina, November 2005 Deshalb wird auch Ashdowns Nachfolger über dieBonn Powers verfügen. Im Oktober 2005 wollte der Brite jedoch nicht mehr ausschließen,dass ab Oktober nächsten Jahres ein spezieller Vertreter der Europäischen Union diese Aufgabe übernimmt, dann aber mit verminderten Befugnissen. 20 4.2 Thematische Schwerpunkte der Geber So vielfältig die Probleme Bosniens unmittelbar nach Kriegsende, so vielfältig gestalteten sich auch die Einsätze der damals ins Land entsandten internationalen Organisationen. Bis zum Jahr 2000 etwa stand die Unterstützung der Rückkehr der mehr als zwei Millionen Flüchtlinge und intern Vertriebenen im Mittelpunkt. Auch dem Aufbau der zerstörten Infrastruktur wurde hohe Priorität beigemessen, während die Stärkung kleiner und mittelständischer Betriebe, ja, der Wirtschaftspolitik insgesamt, kaum Bedeutung genoss. Im zivilgesellschaftlichen Bereich versuchten unzählige ins Land entsandte NGOs, in Versöhnungsseminaren die einstigen Kriegsgegner an einen Tisch zu bekommen. Strategische Konzepte standen selten dahinter, der Druck zu handeln und der Wunsch, die Macht der Ethnonationalisten zu beschneiden, bestimmten das Schaffen. Angesichts der enormen Probleme ist es nicht verwunderlich, dass die Arbeitsfelder der Geber eine große Breite aufweisen und in vielen Bereichen ansetzen auch wenn das eine gezielt konfliktsensitive Ausrichtung der Handlungsansätze auf die langfristige Überwindung struktureller Schwächung und die frühzeitige Bearbeitung wachsender Konfliktpotenziale erschwert. Der frühere Leiter der Bosnien-Mission der Vereinten Nationen(Unmibh), Jacques Klein, hat das inkohärente und kaum koordinierte Vorgehen der internationalen Organisationen kurz vor Auslaufen seiner Amtszeit Ende 2002 in medizinischen Kategorien anschaulich auf den Punkt gebracht. Bosnien war nach dem Krieg ein Patient, der von lebenserhaltenden Maßnahmen abhängig war. Dieser Patient lag zwar nicht im Sterben, doch er musste sich von einer schweren Krankheit erholen. Deshalb gab es unterschiedliche lebenserhaltende Eingriffe ökonomische, mulilaterale, bilaterale, politische von unterschiedlichen Ärzten: vom OHR, von der EU, von Sfor, von Unmibh und von der OSZE.(...) Da sich die Ärzte nie darauf verständigt haben, wie gesund der Patient eigentlich werden muss, ehe man ihn aus dem Krankenhaus entlassen kann, weiß heute niemand, ob man die lebenserhaltenden Maßnahmen nicht längst hätte einstellen können. Der Patient schaut derweil zu und fragt sich: Was kommt wohl morgen dran? Auf diese Weise wird ihm aber nicht geholfen. Und das ist auch der Grund, weshalb in Bosnien so vieles falsch läuft. 21 Seit dem Auslaufen der Phase von humanitärer Hilfe und Wiederaufbau um die Jahrtausendwende hat sich die Zahl der internationalen Organisationen vor Ort erheblich reduziert. Erfolgreiche Beispiele der Überführung ausländisch geführter Initiativen wie der Jugendorganisation Schüler Helfen Leben(SHL) in einheimische Hände sind jedoch selten. Nach wie vor orientieren sich Länderstrategien und Handlungsansätze an den vor dem Jahr 2000 drängenden Problemen. Die Hinwendung zu klassischen Fragestellungen, wie sie aus anderen exsozialistischen Transformationsstaaten geläufig sind, vollzieht sich nur langsam. Bosnische Gesprächspartner aus liberalen und zivilgesellschaftlichen Kreisen betonen stets, wie wichtig die Rolle der internationalen Gebergemeinschaft auch eine Dekade nach dem Friedensschluss noch ist. Insbesondere den politischen Stiftungen kämen auf Grund der ihnen attestierten politischen Unabhängigkeit und Neutralität eine besondere Stellung zu, die sie zur Bewusstseinsbildung und öffentlichen Diskussion vernachlässigter Themenbereiche genutzt hätten. 20 Im Gespräch mit dem Autor, 19. Oktober 2005 21 Im Gespräch mit dem Autor, 9. Dezember 2002 25