Stefan Sell Generationengerechtes Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland Generationengerechtes Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland Von Stefan Sell Vorbemerkung:„Generationengerechtigkeit“ – eine Kategorie auch für die Sozialpolitik? Wenn man berücksichtigt, dass der Begriff der„Generationengerechtigkeit“ ursprünglich aus dem Umweltbereich stammt und hier vor allem auf die Rechte der nachwachsenden Generationen abstellt, dann muss die Frage aufgeworfen werden, was mit dem Begriff in der Sozialpolitik dargestellt werden soll. Geht es hinsichtlich der Nutzung bzw. Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ganz offensichtlich um eine Schutzfunktionalität durch eine(auch gesetzgeberische) Operationalisierung von Generationengerechtigkeit für die(noch nicht geborenen) Nachkommen, so würde dies im einfachen Falle einer Übertragung bedeuten, dass die Inanspruchnahme der gegenwärtigen sozialen Sicherungssysteme nicht zu einer intergenerationellen Schieflage führen darf, dass also die heute Jungen nicht in einer ausschließlichen Nettozahlerposition über ihre Lebensspanne hinweg betrachtet eingemauert werden dürfen, während die heute Älteren„hohe“ Renditen aus den sozialen Sicherungssystemen herausholen. Und genau das wird im Bereich der sozialen Sicherungssysteme in der gegenwärtigen Diskussion adressiert. Am offensichtlichsten ist diese Ausrichtung im Bereich der Alterssicherung, wo unter Bezugnahme auf die Methode der Generationenbilanzierung behauptet wird, dass die heute älteren Menschen„am meisten“ aus der umlagefinanzierten Rentenversicherung herausholen können im Sinne einer hohen„Rendite“ der früher eingezahlten Beiträge, während der Großteil der heute einzahlenden Erwerbstätigen deutlich mehr einzahlen muss als sie jemals wieder herausholen kann. Die„Alten“ als Gewinner und die„Jungen“ als Verlierer – das ist die vereinfachte und plakative Zusammenfassung des Diskurses über die Konfiguration unseres Alterssicherungssystems. In die gleiche Richtung bewegt sich die Diskussion über die Gesundheits- und Pflegepolitik. Auch hier wird vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung unterstellt, dass die„Alten“ aus dem derzeitigen System„Gewinne“ herausziehen können, während bereits die heute erwerbsaktiven Beitragszahler fallende Renditen zu erwarten haben. www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 27
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