Blickpunkt Großbritannien Büro London The Chandlery Office 609 50 Westminster Bridge Road GB London SE1 7QY Tel 00 44 20 77 21 87 45 Fax 00 44 20 77 21 87 46 feslondon@dial.pipex.com www.fes.de/london April 2006 Warum die Linke eine Bevölkerungspolitik braucht Ein Blick aus Großbritannien Mike Dixon und Julia Margo Bevölkerungspolitik hatte in der letzten Zeit eine schlechte Presse. Obwohl weltweit Regierungen versuchten, demographische Trends durch Politik zu verändern, ist der Begriff Bevölkerungspolitik in GB fast ausschließlich zum Synonym für sinistre chinesische Zwangspolitiken geworden. Dies ist bedauerlich. Gut gemacht, ist Bevölkerungspolitik ein Mittel für Regierungen, demographischen Krisen zu begegnen und zuvorzukommen. Bevölkerungspolitik kann aus so harmlosen Dingen wie einer besseren Kinderbetreuung bestehen – mit dem expliziten, aber nicht vorrangigen Ziel, damit auch etwas für die Steigerung der Geburtenrate zu tun. Aber warum sollte die Veränderung des demographischen Trends überhaupt ein Thema für die Politik sein? Europa wird alt Überall in Europa ist die Geburtenrate seit mehr als vier Jahrzehnten rückläufig. In Großbritannien nahm sie seit dem BabyBoom der Nachkriegszeit immer weiter ab und folgte bis 2002 einem stetigen Abwärtstrend. 1 Ähnliche Muster sind in den meisten 1 1964 wurde ein Spitzenwert von 2,95 Kindern pro Frau verzeichnet, der weit über dem Wert von 2,1 lag, der zur Erhaltung einer konstant bleibenden Bevölkerung erforderlich ist. Industrieländern zu verzeichnen: In Spanien fiel die Geburtenrate von 2,9(1970) auf 1,25 (2002), in Italien von 2,4 auf 1,26, in Japan von 2,1 auf 1,32 und in der Slowakischen Republik von 2,4 auf den alarmierenden Wert von 1,19 Kindern pro Frau. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung rapide gestiegen. Gegenwärtig verlängert sie sich in Großbritannien jede Stunde um sechzehn Minuten. Ohne Interventionen der Regierungen könnten die europäischen Wohlfahrtsstaaten langfristig instabil werden. Einst dynamische Volkswirtschaften werden stagnieren, wenn die Arbeitsbevölkerung nicht mehr zahlreich genug ist, um die Alterung der Gesellschaft aufzufangen. Die Aussicht auf eine drastisch steigende Abhängigkeit vieler Menschen vom Staat bereitet den Politikern in Italien und Japan schon jetzt schlaflose Nächte. Im Jahr 2000 kamen auf jeden Menschen unter 15 und über 60 Jahren 1,61 Italiener bzw. 1,64 Japaner im arbeitsfähigen Alter von 15 bis 59. Die UNO schätzt jedoch, dass diese Relation bis ins Jahr 2050 wahrscheinlich bis auf 0,86 bzw. 0,82 zurückgehen wird. Aus Sorge um ihre Zukunft führten in der Zwischenzeit eine Reihe von Staaten Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenrate ein. Kanada, Estland, Singapur und Japan beispielsweise haben demographische Ziele
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Warum die Linke eine Bevölkerungspolitik braucht : ein Blick aus Großbritannien
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