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Staatliche Lohnzuschüsse in Großbritannien
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Blickpunkt Großbritannien Büro London The Chandlery Office 609 50 Westminster Bridge Road GB London SE1 7QY Tel 00 44 20 77 21 87 45 Fax 00 44 20 77 21 87 46 feslondon@dial.pipex.com www.fesc.de/london Staatliche Lohnzuschüsse in Großbritannien Mai 2006 Richard Dickens 1. Hintergrund Mit dem Regierungsantritt 1997 versprach New Labour, die Kinderarmut innerhalb der nächsten zwanzig Jahre zu beseitigen. Da­bei wurden eine Reihe arbeitsmarktpoliti­scher Maßnahmen eingeführt, deren Ziel es war, dafür zu sorgen, dass sich Arbeit für einkommensschwächere Familien mit Kin­dern wieder lohnt. Das Herzstück dieser Maßnahmen bildete ein steuerfinanzierter Lohnzuschuss für Erwerbstätige mit Familie, der Working Families´ Tax Credit(WFTC), der als Anreiz dienen sollte, um die Erwach­senen dieser Familien zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit zu motivieren. Zu dieser Reform gehörten auch noch zahlreiche an­dere innovative politische Maßnahmen, wie z. B. veränderte Einkommenssteuer- und Sozialversicherungssätze, die Einführung eines Mindestlohns und verschiedene New­Deal- Programme, die zur Erhöhung der Ar­Richard Dickens arbeitet zu Arbeits­markt- und Armutsanalysen am der Queen Mary Universität London und an der London School of Economics. Er be­rät den Finanzminister und die Kommis­sion für den nationalen Mindestlohn. beitsmarktbeteiligung bestimmter Zielgrup­pen führen sollten. In den 80er- und frühen 90er-Jahren hatte die Kinderarmut stark zugenommen, so dass 1997 nahezu ein Drittel aller Kinder in Armut lebten. Der Hauptgrund dafür war Arbeitslo­sigkeit in der Familie. Ungefähr ein Fünftel aller Kinder lebte in Haushalten ohne einen erwerbstätigen Erwachsenen, und die Ar­mutsquote in diesen Haushalten war sehr hoch. Es herrscht keine Klarheit darüber, warum es so viele arbeitslose Haushalte gab; fest steht jedoch, dass es für viele die­ser Haushalte nur wenig Vorteile bot, eine Arbeit aufzunehmen. Das niedrigere Qualifi­kationsniveau in diesen Haushalten bedeu­tete, dass der Einzelne bei Aufnahme einer Arbeit ein geringes Einkommen erzielen würde. Zudem würden einige Haushalte vie­le staatliche Zuschüsse verlieren. Für viele würde der Einstieg ins Erwerbsleben eine Verschlechterung ihrer Situation bedeuten, vor allem wenn man die Kinderbetreuungs­kosten mit berücksichtigt. Diese fehlenden Anreize zur Beschäftigung wollte die Regie­rung durch die Einführung der Lohnzu­schüsse und zahlreicher anderer arbeits­marktpolitischer Maßnahmen ändern.