Internationale Entwicklungszusammenarbeit Referat Afrika Äthiopien: Vom Stabilitätsfaktor zum Unruheherd? Innen- und außenpolitische Entwicklung nach der Wahl 2005 Hartmut Heß Juli 2006 Die Erwartungen waren hoch gesteckt: Die Kampagne zu den Nationalen Wahlen im Mai 2005 in Äthiopien hatte einen Aufbruch in einen neuen Pluralismus signalisiert. Die internationale Öffentlichkeit und Beobachter in Äthiopien hatten einen kräftigen Schub in Richtung Demokratie erwartet. So war die Enttäuschung nach der Wahl groß: Zwar hatten die Oppositionsparteien nach dem amtlichen Ergebnis mehr als 30 Prozent der 547 Sitze im House of Peoples Representatives erobert, doch der Demokratiezug schien rückwärts zu rollen. Unmut über Wahlbetrug oder vermeintliche Manipulationen des Ergebnisses, der sich in Protestwellen im Juni und November im ganzen Land Luft machte, wurde durch Sicherheitskräfte erstickt. Offizielle Angaben sprechen von mehr als 80 Toten. Zugleich erhielten sogenannte Befreiungsbewegungen im Kampf gegen die Zentralregierung wieder Zulauf und Auftrieb. Auch im regionalen Umfeld ist Äthiopien als Ordnungsmacht und Stabilitätsfaktor in Frage gestellt. Vom regionalen Schwergewicht gehen eher destabilisierende Wirkungen aus. Die innenpolitische Entwicklung: zwischen Pluralisierung und Restriktion Äthiopien schien sich zunächst mit großen Schritten in Richtung pluralistische Demokratie zu entwicklen. Der Wahlkampf zu den allgemeinen Wahlen im Mai 2005 war offener und freier als je eine Wahlkampagne zuvor in dem Land am Horn von Afrika. Die Opposition hatte Zugang zu den Medien, selbst zu den regierungskontrollierten Medienorganisationen wie Hörfunk und Fernsehen. Podiumsdiskussionen zwischen den Vertretern der verschiedenen Parteien, an denen Regierung und Opposition gleichermaßen teilnahmen, wurden von Nichtregierungsorganisationen gemeinsam mit staatlichen Universitäten organisiert und in Funk und Fernsehen übertragen. Die staatliche und private Presse berichtete breit über die Wahlkampfauseinandersetzungen. Mit dem Wahltag schien alles vorbei. Obwohl nationale und internationale Wahlbeobachter den Prozess verfolgten, gab es offensichtlich zahlreiche Manipulationen der Ergebnisse. Die Europäische Union hatte die größte Wahlbeobachterdelegation 1
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Äthiopien: vom Stabilitätsfaktor zum Unruheherd? : Innen- und außenpolitische Entwicklung nach der Wahl 2005
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