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Der Zellulosekrieg zwischen Uruguay und Argentinien : vom lokalen Protest zum regionalen Konflikt
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gìåá=OMMS= Der Zellulosekrieg zwischen Uruguay und Argentinien: Vom lokalen Protest zum regionalen Konflikt Dr. Achim Wachendorfer = Die Auseinandersetzung zwischen Argentinien und Uruguay um zwei Zellulosefabriken am Ufer des Río Uruguay hat sich von einer Provinzposse zum regionalen Politdrama entwickelt. Inzwischen be­fasst sich der Internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag mit dem Konflikt.= Das regionale Integrationsprojekt MERCOSUR ist schwer lädiert, seine strukturellen Defizite und Probleme offen gelegt.= Die kleinen Mitgliedstaaten Uruguay und Paraguay denken laut über Alternativen zu einer Mitglied­schaft im Mercosur nach, da sie ihre Interessen durch Argentinien und Brasilien ignoriert sehen.= Die zuletzt noch vielzitierte progressive Achse in der Region ist beschädigt. Alle Hoffnungen auf ei­ne Entspannung richten sich nun auf den MERCOSUR-Gipfel Ende Juli.= == Nicht einmal ältere Leute vermögen sich daran zu erinnern, dass die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern Uruguay und Argenti­nien je einen ähnlichen Tiefstand wie derzeit erreicht hatten. Dabei war der Anlass, der die dramatische Verschlechterung der bilateralen Beziehungen provozierte, zunächst eher banal. Es geht vordergründig um den Bau zweier Zellulosefabriken am uruguayischen Ufer des Grenzflusses Río Uruguay. Doch inzwischen hat der Konflikt eine Dimension erreicht, die weit über die lokale und nationale Ebene hinausgeht. Aus einer Provinzposse ist ein Politdrama gewor­den, in das transnationale Unternehmen, euro­päische Regierungen, die Weltbank, internatio­nale Umweltorganisationen, der Internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag und weitere Akteure verwickelt sind. Obwohl der Konflikt noch lange nicht ausgestanden ist, lassen sich nach Meinung vieler Beobachter bereits jetzt einige Schlussfolgerungen ziehen: Das regionale Integrationsprojekt MERCOSUR ist beschädigt und die gemeinsame Perspektive der sogenann­ten progressiven Regierungen im südlichen Lateinamerika zumindest vorläufig auf Eis gelegt. Dieses deprimierende Szenario lässt eine Reihe von Fragen offen: Welche Relevanz haben die Zellulosefabriken für Uruguay? Warum fanden die Proteste gegen den Bau dieser Fabriken ein derart enormes Echo in Argentinien? Warum gelang es zwei befreundeten Regierungen nicht, das Problem auf dem Verhandlungsweg zu lösen? Es ist nicht einfach, eine konsistente Erklärung für Vorgänge zu liefern, die durch einen hohen Grad an Irrationalität gekennzeich­net sind. Die materiellen Grundlagen des Konfliktes Ende der 80er Jahre legte in Uruguay die damals konservative Regierung von Julio Maria Sangui­netti die Grundlagen für ein ehrgeiziges Auffors­tungsprogramm. Erklärtes Ziel war es, die bis dato bescheidenen Holzexporte drastisch zu erhöhen. Mit Hilfe von Subventionen stieg die jährliche Aufforstung von ca. 7.000 Hektar auf ca. 60.000 Hektar. Damit ist heute der industriell genutzte Waldbestand etwa 20fach höher als 1989(1989:36.000ha /2005: 714.000ha). Der nun geplante Bau zweier Zellulosefabriken durch das finnische Unternehmen Botnia und das spanische Unternehmen Ence ist damit die logische, wenn auch nicht unproblematische Fortsetzung eines agroindustriellen Ansatzes, der auf Holzverarbeitung und Zelluloseexport setzt. 1