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IWF-Weltbank-Jahrestagung in Singapur : Diskussion über die Zukunft der Bretton-Woods-Zwillinge überschattet durch Einschränkung der Teilnahme zivilgesellschaftlicher Organisationen
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Oktober 2006 IWF-Weltbank Jahrestagung in Singapur: Diskussion über die Zukunft der Bretton-Woods-Zwillinge überschattet durch Einschränkung der Teilnahme zivilgesellschaftlicher Organisationen Linde Scheers, FES, Singapur Die Stimmenverteilung innerhalb des IWF entspricht nicht mehr der weltwirtschaftlichen Rea­lität. Dem Fonds droht angesichts relativer Stabilität auf den Finanzmärkten und rückläufigen Zinseinnahmen ein Bedeutungsverlust. Bei der IWF-Weltbank Jahrestagung vom 14. bis 20. September wurde ein Reformplan vor­geschlagen, um diesen Herausforderungen entgegenzutreten. Der erste Schritt des Reformplans, eine Quotenerhöhung für die Schwellenländer Mexiko, China, Südkorea und die Türkei wurde auf der Jahrestagung in Singapur bewilligt. Der zweite Schritt, eine umfassende Quotenreform, stößt auf den Widerstand etlicher Staa­ten. Vor allem europäische Länder befürchten, dass weitere Reformen für sie einen Macht­verlust innerhalb der Institution bedeuten werden. Der Präsident der Weltbank konnte seine umstrittene Korruptionsbekämpfungsstrategie auf der Jahrestagung durchsetzen, jedoch unter der Bedingung, dass die Implementierung durch den Aufsichtsrat der Bank überwacht wird. Die Teilnahme zivilgesellschaftlicher Organisationen an der Jahrestagung wurde durch die ri­giden Sicherheitsmaßnahmen der singapurischen Behörden erheblich eingeschränkt. Der IWF: Grünes Licht für Reformen Die derzeitige Machtstruktur des Internationa­len Währungsfonds(IWF), von der Vertretung in den Entscheidungsgremien bis hin zur Ver­teilung der Basisstimmrechte, entspricht nicht mehr den weltwirtschaftlichen Kräfteverhält­nissen. Die westlichen Industrieländer und insbesondere die USA haben bei weitem das größte Entscheidungspotenzial innerhalb der Institution, während aufstrebende Länder wie Indien und China nur einen marginalen Quo­tenanteil besitzen. Diese Ungleichheit, und vor allem die Unterrepräsentierung der Ent­wicklungs- und Schwellenländer, wurde schon seit längerer Zeit von Kritikern des IWF und der Weltbank weltweit thematisiert. Hinzu kommt, dass dem IWF angesichts der relativen Stabilität der Finanzmärkte die Lebensgrund­lage abhanden kommt, dass Ende letzten Jah­res wichtige Großschuldner wie Argentinien und Brasilien vorzeitig alle Schulden bei dem Fonds tilgten und dass aufgrund der darausfolgenden rückläufigen Zinseinnahmen dem Fonds nun Defizite bevorstehen. Mit an­deren Worten: dem IWF droht die Gefahr in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Aus diesem Grund konkretisierte der geschäftsfüh­rende Direktor des Fonds, Rodrigo de Rato, vor der Jahrestagung in Singapur einen Re­formplan für seine Institution. Dieser will eini­gen Schwellenländern mehr Stimmrechte im Fonds einräumen, die globale Aufsichtsrolle des IWF stärken und die Beziehungen zu den ärmsten Ländern überdenken. Genau diese Reformvorschläge waren Gegenstand der Jah­restagung vom 14. bis 20. September in Sin­gapur. Sie gewannen 90% der Stimmen aller Mitgliedsländer. Somit wurde zunächst eine ad-hoc-Erhöhung der Quoten für Südkorea, China, Mexiko und die Türkei vorgenommen.