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Fünf Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001
Entstehung
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FOKUS AMERIKA Büro Washington Dr. Almut Wieland-Karimi 1023 15 th Street NW,# 801 Washington, DC 20005 USA Tel.:+1 202 408 5444 Fax:+1 202 408 5537 fesdc@fesdc.org www.fesdc.org Nr. 4/ 2006 Fünf Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Fritz Fischer i , Washington, DC Die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York und Washington haben die Psyche der amerikanischen Bevölkerung fundamental verändert. Noch nie in ihrer neueren Geschichte haben die Amerikaner einen Angriff auf ihr Festland erlebt und eine für sie unfassbare Verwundbarkeit gespürt. Dies ist noch nicht voll in das europäische Bewusstsein eingedrungen. Als Konsequenz erhielt die Außenpolitik der Bush-Regierung mit ihrer militärischen Komponente einen viel höheren Stellenwert, und die einzig verbliebene Supermacht macht hiervon auch ungehindert Gebrauch. DerKrieg gegen den Terrorismus begünstigte auch eine beispiellose Ausweitung der Macht der Exekutive zu Lasten des US-Kongresses, die u.a. eine weit reichende Einschränkung der Freiheitsrechte zur Folge hatte. Die Demokraten konnten sich dabei oft nur unklar und uneinheitlich positionieren. Als Folge der bisher wenig erfolgreichen Demokratisierungsbemühungen im Irak(aber auch zunehmend in Afghanistan) ist für die Zukunft vielleicht zu erwarten, dass die USA ihren Demokratieexport zurückhaltender praktizieren werden. In Kombination mit einer gewissen Rückkehr zum Multilateralismus dürfte dies auch eine Annäherung an Europa begünstigen, zumal auch dort die Angst vor dem Terrorismus zugenommen hat. Angriff im eigenen Land Die USA haben in ihrer jüngsten Geschichte vor dem 11. September 2001 zwei Überfälle und Ver­wüstungen größeren Ausmaßes erlebt. Einmal den überraschenden Angriff der Japaner auf Pearl Harbor im Dezember 1941, und sodann den Bombenanschlag in Oklahoma-City vom April 1995. Der erste Angriff in Hawaii liegt nun über sechzig Jahre zurück, und zudem geschah dies seinerzeit weit weg vom amerikanischen Festland. Oklahoma-City wurde zum Entsetzen der Bevölkerung von amerikanischen Funda­mentalisten verübt. Der 11. September war da­her der erste wirkliche Anschlag auf amerika­nischen Boden, begangen von Selbstmordatten­tätern einer bis dahin weitgehend unbekannten islamistischen Terrorgruppe und buchstäblich vor den Augen weltweiter Medien. Dabei prägte sich der spektakuläre und nicht für möglich gehaltene Zusammensturz von gleich zwei der höchsten Wolkenkratzer unauslöschlich ins Gedächtnis der ganzen Welt ein. So wurde auch das Mitgefühl mit den Opfern und den USA allgemein geteilt und fand ihre Ausprägung in der Schlagzeile von Le Monde:We are all Americans now.