Zwischen Reform und Tradition: Die französische Afrikapolitik heute Jean-Marc Châtaigner Oktober 2006 „Deutsche Afrikapolitik“ so lautet ein oft gehörtes Bonmot,„zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht existiert.“ Sicher kann diese Einschätzung mit einigem Grund als zu kritisch zurückgewiesen werden – einen wahren Kern scheint sie allerdings zu enthalten. Schließlich ist eine Weiterentwicklung des deutschen entwicklungs- und außenpolitischen Engagements in Afrika nicht von ungefähr seit geraumer Zeit Gegenstand intensiver Debatten. Da deutsche Außenpolitik jedoch nur im europäischen Kontext definiert werden kann, wird der Abgleich bundesdeutscher Politiklinien mit den außenpolitischen Grundmustern der europäischen Partner immer wichtiger. Dies nicht zuletzt im Hinblick auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr. Vor diesem Hintergrund liefert der vorliegende Beitrag von Jean-Marc Châtaigner einen Überblick über die Grundlagen der aktuellen französischen Afrikapolitik sowie über ihre strukturellen Veränderungen in den letzten Jahren. Der Beitrag beleuchtet aus französischer Binnenperspektive Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Afrikapolitik Frankreichs, Großbritanniens und der Bundesrepublik und plädiert für eine engere deutsch-französische Kooperation auf politischer, finanzieller sowie – falls erforderlich – auf militärischer Ebene. 1. Frankreich und sein„Pré Carré“: Ein neues politische Umfeld Die französische Afrikapolitik wurde lange als grundlegende aber zugleich einzigartige und spezifische Dimension der französischen Außenpolitik betrachtet. Grundlegend erschien sie, weil Afrika aus geopolitischer Sicht der einzige Kontinent war, auf dem Frankreich nach Abschluss der Entkolonialisierung erwarten konnte, weiterhin bedeutenden Einfluss aufrechterhalten zu können. Zwar spielte französische Politik auch in anderen Weltregionen eine beträchtliche Rolle (Libanon, Indochina), doch wurde der Einfluss Frankreichs dort durch andere Großmächte weit stärker eingeschränkt. Der afrikanische Kontinent schien Paris somit Gelegenheit zu geben, sich als ehrgeizige„Grande Nation“ zu präsentieren. Als Symbol dieser französischafrikanischen Beziehungen gilt seitdem der Frankreich-Afrika-Gipfel, zu dem alle zwei Jahre afrikanische Machthaber und das französische Staatsoberhaupt zusammenkommen. Einzigartig und spezifisch erschien französische Afrikapolitik dabei, weil sie nie wirklich in der französischen Außenpolitik aufging. Bekanntlich ist dies
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Zwischen Reform und Tradition : die französische Afrikapolitik heute
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