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Das französische Bildungssystem : Gleichmacherei und Ungleichheiten
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FRANKREICH-ANALYSE Friedrich-Ebert-Stiftung Bureau de Paris 41 bis, boulevard de La Tour-Maubourg 75007 Paris Tel: 00 33(0)1 45 55 09 96 Fax: 00 33(0)1 45 55 85 62 fes@fesparis.org www.fesparis.org Dezember 2006 Das französische Bildungssystem: Gleichmacherei und Ungleichheiten Lars Weber Die Krise um den Ersteinstellungsvertrag(CPE) in diesem Frühjahr hat die Misere des französischen Bildungssystems deutlich gemacht. Universitäten bilden massenweise Studenten aus, ohne sich dabei am Bedarf des Arbeitsmarktes zu orientieren. Darüber hinaus brechen viele Studenten ihr Studium ab. Diese und andere Faktoren führen zu einer hohen Arbeitslosigkeit der unter 25 Jährigen, 21,9 Prozent im Vergleich zu 16,7 Prozent in den 15 ‚altenEU-Mitgliedsstaaten. Um Schüler besser auf den ausgewählten Bildungsweg vorzubereiten, sollen Beratungsangebote in der Schule, aber auch während des Studiums bzw. der Ausbildung verbessert werden. Neben der dringend notwendigen Reform der Universitäten, wird auch ausgiebig über dieCarte Scolaire diskutiert.Carte Scolaire bedeutet, dass Kinder dort, wo sie wohnen, zur Schule gehen müssen. Die beiden Favoriten für die nächstjährige Präsidentschaftswahl, Ségolène Royal für die Sozialisten und Nicolas Sarkozy für die UMP, haben eine Lockerung bzw. sogar die Abschaffung (Sarkozy) derCarte Scolairegefordert. DieCarte Scolairewurde 1963 eingeführt, als die Zahl der Schüler und somit auch der neu eingerichteten Schulen zunahm. Die Carte diente der Verteilung von Schülern und Lehrern in einem gewissen geographischen Bereich. Seit der Einführung des Collège unique 1990, alle Schüler sind zusammen bis einschließlich der neunten Klasse, sorgt die Carte Scolaire zusätzlich für eine soziale Vermischung der Schüler. Es soll somit eine Ghettoisierung der Vorstädte verhindert werden. Allerdings wird dieses Prinzip in der Realität häufig ausgehöhlt: Zahlreiche Eltern, überwiegend aus mittleren- und oberen Schichten, umgehen die Regelung der Carte Scolaire, indem sie ihre Kinder auf Privatschulen schicken. 20 Prozent der Schüler gehen bereits auf Privatschulen. Die öffentlichen Mittelschulen, Collèges, werden häufig mit einem schlechten Lernniveau, Gewalt und überfüllten Klassen in Verbindung gebracht. Weitere Möglichkeiten, um Kinder in bessere Schulen zu bringen, sind der Umzug der Familie sowie fiktive Adressen. Ségolène Royal forderte ein Ende der Hypokrisie: eine soziale Vermischung gäbe es sowieso nicht. Sie will den Zwang aufheben, Kinder problembelasteten Schulen zuzuweisen. Royals Position wurde kritisiert, da man Ungleichheit durch die Lockerung der Carte eher noch verschärfen würde. In diesem Falle müssten die schlecht gestellten Schulen mit massiven finanziellen Mitteln unterstützt werden, um für ihren Fortbestand zu sorgen.