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Zwischen Antisemitismus und Interessenvertretung : Periodika und Festschriften des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbands in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung ; ein Bestandsverzeichnis
Entstehung
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NSDAP auszuzahlen: Der DHV wurde zunächst alleiniger Träger desAngestellten­gedankens in der Deutschen Arbeitsfront(DAF). Das Zwischenspiel dauerte indes nur ein knappes Jahr. Im Zusammenhang mit der Neustrukturierung der DAF wurde der Verband am 20. Februar 1934 aufgelöst. 24 Zur Presse des DHV Bernd Anders und Hans Peter Riesche Verfasser einer der wenigen Regionalstudien zur Geschichte des DHV- konstatierten vor gut zwanzig Jahren, dass die Ursache für die überragende Bedeutung des DHV noch weitgehend unerforscht sei:Insbesondere die Frage, weshalb gerade die Kaufmannsgehilfen, also die lohnabhängigen kaufmännischen Berufe, in so großem Ausmaß sich dem DHV zuwandten und dort das für diesen so typischen Verbandsleben einschließlich dessen der so zahlreichen Vorfeldorganisationen entfalteten, ist bist jetzt weitgehend ungeklärt. In diesem Zusammenhang kann überhaupt festgestellt werden, daß generell die Angestellten-Gewerkschaften und hier wiederum die nichtsozialdemokratischen bis jetzt zumindest verglichen mit den freien Arbeitergewerk­schaften von der Forschung geradezu stiefmütterlich behandelt worden sind. 25 Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Zu Recht stellen die beiden Autoren die Fragen: Warum blieben andere kleinere christliche Angestelltengewerkschaften weitgehend immun gegen den National­sozialismus? Warum tendierten die technischen Angestellten eher zur Sozialdemokratie? Warum blieb der DHV in der deutschsprachigen Tschechoslowakei und in Österreich nur eine marginale Größe? Letztlich so konstatieren die beiden Mitarbeiter des ehemaligenProjekt Arbeiterbewegung in Hannoverbleibt trotz zahlreicher Erklärungsversuche und –ansätze die Faszination der Ideologie des DHV gerade für kaufmännische Angestellte immer noch eine weitgehend ungeklärte Frage. 26 Für Lösungsansätze verweisen beide Verfasser auf die umfängliche Presse:Die in diesem Ausmaß bei keiner anderen Gewerkschaft vorfindliche Presse sowohl auf Reichs- und Gau-, aber auch auf Kreisebene ist nicht nur in ihrer Anzahl, sondern auch in ihren Inhalten ungewöhnlich. Neben den allgemeinen Mitgliederzeitschriften erschienen zahlreiche Ziel­gruppenblätter, z.B. für Freiheitswillen, Volkserhebung, Überlieferung, ständische Berufs­ehre, Schicksalsgemeinschaft, deutscher Sozialismus, neue Ordnung, machtvoller Staat, freies Reich, Kämpfer, Führungskräfte, Jugendgruppen, Neigungsgruppen und berufliche Fach­gruppen und ein eigener täglicher Pressedienst. 27 Allein die Presseorgane der in 42 Fachgruppen gegliederten Mitgliedschaft sind biblio­graphisch nur schwer zu fassen. 28 Der Rechenschaftsbericht von 1928 nennt 14 Gauzeitungen und 77 Ortsgruppenzeitungen. Stolz wird vermeldet:Die Gesamtauflagenziffer aller Ver­24 Ebda. S. 472. 25 Anders, Bernd: Gewerkschaft im"Volkskörper": der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband(DHV) in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik insbesondere in Niedersachsen/ Bernd Anders; Hans Peter Riesche.- Hannover: Projekt Arbeiterbewegung in Hannover, 1985.-(Arbeitspapier/ Projekt Arbeiterbewegung in Hannover; 2). S. 18. 26 Ebda., S. 35. 27 Ebda., S. 14 f. 28 Lambach, Walter: Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband(DHV)(a.a.O.), S. 394. 14