Druckschrift 
Die Entwicklungsländer - Verlierer des internationalen Finanzsystems?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Martina Metzger Die Entwicklungsländer ­Verlierer des internationalen Finanzsystems? Die Entwicklungsländer Verlierer des internationalen Finanzsystems? Von Martina Metzger 1. Globalisierung und Finanzmärkte Einleitende Bemerkungen Was ist Globalisierung? Das Lexikon der internationalen Wirtschaftsbeziehungen beschreibt Globalisierung allgemein als die Zunahme der Intensität und der Reichweite grenzüberschreitender Interaktionsprozesse (Plümper, S. 126). Diese grenzüberschreitenden Interaktionsprozesse sind nicht ausschließlich dem Bereich der Ökonomie zuzuordnen, sondern umfassen Fragen der Migration, der Sicherheit, des Umweltschutzes sowie Kultur und Kommunikation. Dennoch konzentriert sich in vielen Ländern die gesellschaftspolitische Debatte um Ursachen, Formen, Akteure und Folgen der Globalisierung auf ihre wirtschaftspolitischen Aspekte. Im Bereich der Wirtschaftsbeziehungen ist der Anstieg des internationalen Handels mit Gütern und Dienstleistungen und der Zuwachs grenzüberschreitender Kapitalströme in Form von Direktinvestitionen, Portfolioinvestitionen und Krediten von Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um den wertmäßigen Anstieg von Handels- und vor allem Kapitalbewegun­gen, sondern vielmehr um die Internationalisierung von Wirtschaftsprozessen und wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen, Banken und Vermögensverwaltungen sowie von Regierungen. Was unterscheidet grenzüberschreitende von binnenwirtschaftlichen Aktivitäten? Nationen grenzen sich in ökonomischer Hinsicht von anderen Nationen durch ihre jeweiligen Wäh­rungen ab. Demnach bedingen grenzüberschreitende oder internationale Wirtschaftsbeziehungen im Gegensatz zu rein binnenwirtschaftlichen Prozessen immer währungsüberschreitende Aktivitäten entweder des Handels mit Gütern und Dienstleistungen oder der Kapitalströme. Häufig ist die öko­nomische, politische und rechtliche Souveränität gleichzeitig gegeben und wird aufgrund der ge­meinsamen Erscheinungsform kaum differenziert wahrgenommen. Historisch betrachtet ist es je­doch sowohl für Industrie- als auch Entwicklungsländer nicht ungewöhnlich, dass diese drei Berei­che nicht immer zeitgleich entwickelt werden: Nach der zunächst erfolgten rechtlichen Unabhän­gigkeit beispielsweise der früheren kolonisierten Länder konstituierte erst die Ausgabe einer eige­nen Währung ihre gegenüber den Kolonialländern eigenständige ökonomische Existenz. Ein ähnli­www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 16