wis di o rekt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik März 2007 Vorsorgender Sozialstaat aus der Geschlechterperspektive Barbara Stiegler 1 Auf einen Blick Lebenslagen sind in vielfältiger Weise über die Geschlechtszugehörigkeit bestimmt. Ein„vorsorgender Sozialstaat“ muss deswegen auch Geschlechtergerechtigkeit herstellen. Die Unterbewertung sowie die Zuweisung der bezahlten wie der unbezahlten Sorgearbeit an die Frauen ist der entscheidende Grund für ihr höheres Armutsrisiko und ihre finanzielle Abhängigkeit. In vielen Politikfeldern kann Vorsorge dafür getroffen werden, dass die Gleichstellung der Geschlechter erreicht wird. 1. Warum eine geschlechterpolitische Perspektive? Es gibt mehrere Gründe für eine geschlechterpolitische Perspektive in der Sozialstaatsdiskussion: Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit sind nicht hergestellt Der deutsche Sozialstaat liegt im europäischen Vergleich bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter auf dem 23. Rangplatz. 2 Die Lebenslagen in Deutschland sind immer noch stark über die Geschlechtszugehörigkeit bestimmt. • Frauen arbeiten zwei Drittel ihrer gesamten Arbeitszeit unbezahlt, Männer nur ein Drittel 3 . • Frauen verdienen im Laufe ihres Lebens nur 42% dessen, was Männer verdienen 4 . • Das geschlechtsspezifische Lohngefälle liegt bei 23% 5 . • 43% aller erwerbstätigen Frauen verdienen weniger als 900€ im Monat, also unterhalb der Armutsrisikogrenze 6 . • 70% der Armutslohnbezieher sind weiblich 7 . • Arbeitsmärkte, Berufe und Arbeitsverhältnisse sind geschlechtsspezifisch gespalten.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten