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Die Türkei nach dem Mord an Hrant Dink
Entstehung
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Bettina Luise Rürup 6.2.2007 Die Türkei nach dem Mord an Hrant Dink Zwei Wochen nach der Beerdigung von Hrant Dink ist die türkische Öffentlichkeit noch immer alarmiert und verunsichert. Die Tat und die gesellschaftliche Diskussion lassen einige bekannte Strukturen und zugleich einige neue Phänomene der aktuellen türkischen Gesellschaft und Politik zu Tage treten. Die komplexe Situation zusammenfassend lässt sich folgendes feststellen: In der breiten Bevölkerung überwiegt ein Gefühl der Trauer und der Scham. Der Mord an Hrant Dink wird in der Mehrheitsgesellschaft klar verurteilt; Die massenhafte Reaktion auf den Mord hat die Menschenrechts- und Demokratiebewegung als kraftvolles gesellschaftliches Phänomen sichtbar gemacht und dadurch gestärkt; Es gibt Milieus der sozialen Benachteiligung und gesellschaftlichen Aus­grenzung(extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit und der Mangel an Bildungs­chancen), in denen rassistische und faschistische Gruppierung nicht nur Anhänger finden, sondern auch willfährige Attentäter; Die gewaltbereite extreme Rechte in der Türkei schreckt nicht vor politischen Morden zurück. Diverse Journalisten, Schriftsteller und Akademiker erhalten Morddrohungen und fürchten um ihr Leben. Die im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen aufgedeckten Fakten(Kom­plizenschaft, Untätigkeit, etc.) haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz und Polizei erschüttert. Das Gefühl der Verunsicherung ist groß. Im Wahljahr 2007 ist eine Debatte über die Definition des Nationalismus und dentiefen Staat entbrannt. Die AKP grenzt sich vomrassistischen Natio­nalismus der MHP ab. Der CHP-Vorsitzende Baykal verteidigt den Natio­nalismus und betont seine Bedeutung als gesellschaftlichen Kitt. Auf Einladung der AKP-Regierung haben Vertreter der armenischen Diaspora und der armenischen Regierung an den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen. Trotz der unterbrochenen diplomatischen Beziehungen fanden bilaterale Gespräche zwischen der Türkei und Armenien statt.