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Buchrezension: Heide Oestreich: Der Kopftuchstreit - das Abendland und ein Quadratmeter Islam, Frankfurt (Main) 2004
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Der Kopftuchstreit. Das Abendland und ein Quadratmeter Islam Buchrezension von Johannes Kandel und Christoph Müller-Hofstede Buchrezension HEIDE OESTREICH: Der Kopftuchstreit. Das Abendland und ein Quadratmeter Islam. Frankfurt(Main) 2004 199 Seiten- Brandes& Apsel 15,90. von Johannes Kandel und Christoph Müller-Hofstede Heide Oestreich, Redakteurin bei dertaz fürGeschlechter- und Gesellschaftspolitik (Klappentext) hat ein informatives, sehr engagiertes Buch geschrieben. Sie bemüht sich um eine umfassende Darstellung der Problematik, von den islamischen Quellen(Moham­med und der Schleier) angefangen, über die Situation von Frauen in islamischen Ländern bis zu den verschlungenen Pfaden der juristischen und politischen Hintergründe des Kopftuchstreites. Ihr streckenweise glänzend formulierter Überblick führt in die kaum noch überschaubaren Pro und Contra Positionen zum Kopftuch ein. Der Quellenteil, stark an Fatima Mernissi orientiert, ist knapp und kursorisch, gleichwohl durchaus hilfreich, um ein Grundverständnis für die historischen Hintergründe der islamischen Verschleierungspraxis zu ermöglichen. Oestreich bemüht sich um Differenzierung, gleichwohl ist schon ihr doku­mentarischer Teil(die ersten vier Kapitel) um starke Wertungen nicht arm, etwa bei der Frage, wie die Verpflichtung einer Staatsbeamtin im Blick auf die weltanschaulich-religiöse Neutralität des Staates zu sehen ist. Die Kapitel 5 7, in denen sich Heide Oestreich mit Musliminnen und ihren Motiven das Kopftuch zu tragen, auseinandersetzt und der Männer-dominierten Mehrheitsgesellschaft die Leviten liest, sind die umstrittensten ihres Buches. Hier erliegt sie trotz der(von ihr eingeräumten) einschränkenden Erkenntnis, dass es nur wenigequalitative Studien zu den Motiven von Musliminnen gibt, das Kopftuch zu tragen- den kühnen Schlussfolgerun­gen ihrer zitierten Gewährsfrauen Sigrid Nökel, Yasemin Karakasoglu, Grit Klinkhammer, Brigitte Rommelspacher u.a. Die genannten Wissenschaftlerinnen haben nur sehr kleine, spezifische Gruppen von Musliminnen untersucht, in der Regel akademisch gebildete Frauen. Was wissen wir wirklich von den Betroffenen? Wie viele muslimische Frauen wür­den sich von einem Kopftuchverbot in der öffentlichen Schulediskriminiert fühlen? Eine sehr deutliche Minderheit, so vermuten wir. Wie viele tragen es? Auch eine Minderheit, gleichwohl ändert die Zahl am grundsätzlichen Problem nichts. Es darf ferner bezweifelt werden, dass die insbesondere von Nökel konstruierten-Neo-Muslimas an einem neuen, emanzipatorischen, individualistisch gepolten Islam stricken, denn diese Schluss­folgerungen geben die spärlichen soziologischen und religionswissenschaftlichen Analy­www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 5