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Buchrezension: Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen, Hamburg 2002
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Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen Buchrezension von Johannes Kandel Buchrezension JOCHEN HIPPLER/ ANDREA LUEG(Hrsg.): Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen. Hamburg 2002.(Aktualisierte und erweiterte Neuauflage des Buches von 1993) Broschiert- 237 Seiten- Konkret Literatur Verlag- 17,00. Von Johannes Kandel Die Herausgeber Jochen Hippler und Andrea Lueg treibt Sorge um den Dialog der Kultu­ren, den sie, trotz großer Bemühungen um Dialog und Ausgleich, durchdas Feindbild Islam gefährdet sehen. Sie wollendas Feindbild untersuchen, nicht den Islam selbst. Das ist aus forschungspraktischen Gründen legitim, erweist sich aber à la longue nicht als hilfreich. Sie durchbrechen das Pinzip auch ständig, denn natürlich formulieren sie und die anderen Autoren in ihren informativen und lesenwerten Beiträgen permanent Einschät­zungen und Urteile über Islam und Muslime. Es kann kein Zweifel sein, dass es in den USA und Europa in Wissenschaft, politischem Diskurs und in der breiten Öffentlichkeit Fehlwahrnehmungen, Stereotypen und auch Feindbilder über Islam und Muslime gibt. Die Herausgeber sehen allenthalben ideologie­beladene Produzenten von Feindbildern am Werk, in Politik, populärer Literatur und Me­dien etc. Der Islam wird ihrer Meinung nach zur Projektionsfläche des westlichen Bedürf­nis nach Selbstvergewisserung(S. 215) . DasFeindbild Islam fülle eine ideologische Lücke in der westlichen Identität (S. 167) aus. Im Westen , so zitiert, Claudia Derichs den Islamwissenschaftler Gernot Rotter zustimmend, wertet man den Islam pauschal. (S. 74) Tut dasder Westen wirklich? Bedauerlicherweise erliegen die Herausgeber mit­unter genau dem Mechanismus, den sie kritisieren. Sie produzieren Feindbilder. Schon der Titel des Buches unterstellt im Singular:Feindbild Islam. Doch es gibt genausowenig das Feindbild Islam wie esden Islam gibt, dessen Vielfalt und innere Differenzierungen einige(insbesondere Reinhard Schulz) treffend herausarbeiten. Warum verlässt die Her­ausgeber ihre offensichtliche Fähigkeit zur Differenzierung, wenn es um vermeintliche Feindbildproduzenten geht? Immerhin räumen sie ein, dass es auch in der islamischen Welt ein Feindbildder Westen gibt(S. 201 ff.). Das Feindbild Islam reicht ihrer Meinung nach bis zu den Kreuzzügen zurück. Sie deuten geschichtliche Kontinuitäten an, die es so nicht gibt. Das Feindbild mittelalterlicher christli­cher Theologen zur Zeit der Kreuzzüge sah anders aus, als das von Martin Luther oder das der christlichen Missionsgesellschaften im 19. Jahrhundert. Es gibt viele Feindbilder ge­www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 8