Zaghafte politische Öffnung mit eingebauter Siegesgarantie für die Regierungspartei Die Wahlen im Jemen 2006 Felix Eikenberg, FES Sana’a • Amtsinhaber Ali Abdallah Saleh wurde bei den Präsidentschaftswahlen am 20. September mit 77,2% der Stimmen wiedergewählt. Sein Hauptkonkurrent, Faisal Bin Shamlan, erhielt 21,8%. • Auch bei den gleichzeitig durchgeführten Kommunalwahlen konnte Salehs Allgemeiner Volkskongress etwa 74% der Stimmen und damit einen ungefährdeten Wahlsieg verbuchen. • Die Wahlen stellen einen Fortschritt in den Demokratisierungsbemühungen dar, denn zum ersten Mal gab es einen echten Gegenkandidaten, auf den sich die wichtigsten Oppositionsparteien geeinigt hatten. Andererseits war trotz aller Offenheit der Wahlsieg von Saleh wegen des Einsatzes staatlicher Ressourcen zu seinen Gunsten nie gefährdet. • Die Regierung versucht die in ihrer Sicht freien Wahlen zu nutzen, um ihr gesunkenes Ansehen bei der Gebergemeinschaft zu verbessern und dringend benötigte Finanzhilfe zu mobilisieren. Im Jemen ist man stolz darauf, die einzige Demokratie auf der Arabischen Halbinsel zu sein. In der Tat kann das Land seit 1990, als sich der sozialistische Südjemen mit dem konservativen Nordjemen zur Republik Jemen zusammenschloss, auf insgesamt fünf Wahlen und zwei Verfassungsreferenden zurückblicken. Damit hat eines der ärmsten Länder der Arabischen Welt relativ unbemerkt von der Weltöffentlichkeit zweifellos demokratische Fortschritte vorzuweisen. Alle Wahlen haben jedoch die regierende und staatstragende Partei, den Allgemeinen Volkskongress( dÉåÉJ ê~ä= mÉçéäÉÛë=`çåÖêÉëë, GPC) und dessen Vorsitzenden, Staatspräsident Ali Abdallah Saleh, gestärkt. Bei vielen Jemeniten schwand daher in den vergangenen Jahren das Vertrauen in das bestehende demokratische System, da es ausgeschlossen schien, dass sich die Machtverhältnisse in dessen Rahmen jemals ändern ließen. Auch unter den westlichen Geberländern und internationalen Institutionen wuchs das Unbehagen, eine Regierung zu unterstützen, die auch 16 Jahre nach Beginn des Demokratisierungsexperiments autokratische Tendenzen nicht überwand und deren Regierungsführung sich zunehmend verschlechterte. So kürzten Weltbank und US-Regierung unter dem Verweis auf die grassierende Korruption ihre Zusagen für Finanzhilfen in Millionenhöhe. Die Doppelwahlen von September 2006, bei denen das Amt des Staatspräsidenten und Kommunalvertretungen zur Wahl standen, boten der jemenitischen Regierung und dem GPC die Gelegenheit, ihre Legitimation sowohl vor der eigenen Bevölkerung als auch vor der internationalen Gebergemeinschaft zu erneuern und zu erhöhen. Offene und faire Wahlen sollten beweisen, dass das 1
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Zaghafte politische Öffnung mit eingebauter Siegesgarantie für die Regierungspartei : die Wahlen im Jemen 2006
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