No 1/ 2007 Die internationale Gewerkschaftsbewegung: Fusionen und Widersprüche Von Rudolf Traub-Merz und Jürgen Eckl Anfang November 2006 trafen sich 1700 Delegierte aus 156 Ländern in Wien zu einem in der Geschichte der internationalen Gewerkschaftsbewegung bisher einzigartigen Ereignis. Sie lösten mit dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften-IBFG und dem konfessionell geprägten Weltverband der Arbeitnehmer-WVA zwei weltweit operierende und in Konkurrenz zueinander stehende Dachverbände auf und gründeten mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund-IGB einen Zusammenschluss, dem in 304 Mitgliedsverbänden und 156 Ländern weltweit 168 Millionen Arbeitnehmer angehören. Für die Kongressdelegierten war klar: Globalisierung der politischen Institutionen und Globalisierung der Unternehmen und Märkte verlangt die Globalisierung der Gewerkschaften. 1. Die Geburtsstunde der Vereinten Gewerkschaftsinternationale IGB. Und während Unternehmen ihre Stärke in der Konkurrenz entfalten, tun Arbeitnehmer dies durch organisatorische Geschlossenheit. Gewerkschaftliche Globalisierung heißt nicht nur weltweite Präsenz, sondern auch Interessenartikulation mit einer Stimme. Entsprechend laut der Jubel der Delegierten des Wiener Kongresses. IGB-Generalsekretär Guy Ryder fasste die Bedeutung des Zusammenschluss in folgende Worte:„Auf unseren Schultern lasten eine große Verantwortung und das Gewicht der Geschichte. Gemeinsam, geeint und stark wird der IGB seinen Teil zur Herbeiführung von sozialer Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Frieden beitragen – Ideale, die uns schon so weit gebracht haben und die uns gemeinsam noch viel weiter bringen werden.“ 2. Eine knapp 100jährige Spaltung über wunden. Die Geschichte der internationalen Gewerkschaftsbewegung war bisher durch lange Perioden der Spaltung und des Gegeneinanders geprägt. Sieht man von der kurzlebigen Existenz der unter Führung von Karl Marx gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation(Erste Internationale, 1864-1876) ab- sie scheiterte im Richtungsstreit zwischen Marx und Bakunin-, formten sich länderübergreifende Arbeiterbündnisse von Beginn an in zwei separaten Strängen. Die Entstehung internationaler Vereinigungen begann auf fachlicher und beruflicher Ebene und mündete noch vor Ausbruch des ersten Weltkriegs in der Errichtung von insgesamt 33 internationalen Berufssekretariaten. Obwohl das Berufsverbandprinzip in vielen Ländern bald vom Industriegruppenprinzip verdrängt wurde(in West- und Mitteleuropa ab ca.
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Die internationale Gewerkschaftsbewegung : Fusionen und Widersprüche
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