HISTORY & POLICY Historisches Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung Vertreibung gesamteuropäisch erinnern Gemeinsam – nicht getrennt! Vertreibung und Zwangsmigration sind besondere Kennzeichen des 20. Jahrhunderts und zunächst von der Politik allgemein akzeptierte Mittel gewesen. Nach dem Ersten Weltkrieg haben selbst die demokratischen Nationen des Völkerbunds geglaubt, durch die Umsiedlung großer Bevölkerungsteile könnten in Zukunft homogene Staatsgebilde geschaffen und kriegerische Konflikte verhindert werden. Schon bald musste man jedoch erkennen, dass die in gemischtethnischen Grenzregionen(Oberschlesien, griechisch-türkischer Grenzraum) zwangsweise durchgeführten Umsiedlungen keinen Frieden brachten. Entgegen dem ursprünglichen Sinn der Konfliktverhinderung wurden Auseinandersetzungen um multiethnische Siedlungsräume in zunehmendem Maße von angrenzenden Staaten zum Zwecke der Annexion funktionalisiert. Gerade die beiden führenden totalitären Mächte der Zeit, das nationalsozialistische Deutschland und die bolschewistische Sowjetunion, nutzten Nationalitätenkonflikte, die sie geschürt oder selbst erst erzeugt hatten, zur Sicherung und Ausweitung ihrer rassistisch oder ideologisch begründeten Herrschaftsansprüche. Demokratische Mitwirkungsrechte der Betroffenen sowie vielfältige Formen von kultureller und sprachlicher Autonomie wurden vernichtet. Die Diskussion um ein von Vertretern der deutschen Vertriebenenverbände unter der Führung von Erika Steinbach(CDU) im Jahre 1999 vorgeschlagenes„Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin war von Beginn an durch eine seltsame Schieflage gekennzeichnet. Prominente ➞ Juli l 2007 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG HISTORY& POLICY
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