lâíçÄÉê=OMMT= Gewerkschaftslandschaft im Umbruch? Die Auswirkungen der Gründung der IGB-Regionalorganisation in Lateinamerika Dr. Achim Wachendorfer • Bei der Entstehung des neuen gewerkschaftlichen Weltverbandes(Internationaler Gewerkschaftsbund, IGB), der im November 2006 in Wien aus der Taufe gehoben worden war, hatten die lateinamerikanischen Gewerkschaften nur eine marginale Rolle gespielt. Auf der anderen Seite wurde in keiner anderen Weltregion so intensiv über dieses Ereignis diskutiert. • Dieser scheinbare Widerspruch findet seine Erklärung darin, dass sich parallel zur Gründungsphase des neuen Verbandes in der lateinamerikanischen Gewerkschaftsszene wichtige Veränderungen vollziehen und beide Prozesse sich zum Teil gegenseitig verstärken. • In dieser Hinsicht stellt die Gründung einer neuen Internationalen – und vor allem ihrer regionalen Variante, die für März 2008 vorgesehen ist – eine weitere Chance für die Erneuerung von teilweise obsoleten Gewerkschaftskulturen und-strukturen dar. = Lateinamerika und die Gründung des neuen Weltverbandes Am 1. November 2006 war nach langen Verhandlungen der Internationale Gewerkschaftsbund(IGB) gegründet worden. Dieser neue Weltverband war im wesentlichen der Zusammenschluss der beiden wichtigsten Gewerkschaftsinternationalen, dem Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften(IBFG) mit dem christlichen Weltverband der Arbeitnehmer (WVA) sowie einer Reihe nationaler Verbände, die keinem der beiden angeschlossen waren. Von den ca. 164 Millionen Mitgliedern des IGB stellten der IBFG ca. 80%, der WVA ca. 9% und die Unabhängigen ca. 11%. Mit 18 Millionen Mitgliedern, also über 10%, stellten die lateinamerikanischen Gewerkschaften ein beachtliches Kontingent. Trotzdem hatten sie bei den Vorverhandlungen zur Gründung des neuen Dachverbandes kaum eine Rolle gespielt. Dies ist zum Teil auf die strukturelle Schwächung zurückzuführen, welche lateinamerikanische Gewerkschaften in den Jahren neoliberaler Politiken erfahren hatten. Nur in zwei Punkten hatte die für den amerikanischen Kontinent zuständige Regionalorganisation des IGFG, die Organización Regional Interamericana de Trabajadores(ORIT), bei den Vorverhandlungen Akzente setzen können. Erstens war es der ORIT – mit Unterstützung diverser europäischer Dachverbände – gelungen, eine relative Autonomie der Regionalorganisationen in den Statuten des neuen Weltverbandes festzuschreiben. Zweitens wurde der neue Verband als Neugründung und nicht nur als bloße Fusion zwischen IBFG und WVA ins Leben gerufen. Beides waren aus lateinamerikanischer Sicht wichtige Entscheidungen, vor allem in Hinblick auf die Gründung des regionalen Verbandes, die in wenigen Monaten ansteht. Ein wichtiger Beitrag, den Lateinamerika zur Stärkung des IGB leistet, war der Beitritt zweier wichtiger, bislang unabhängiger Dachverbände, mit jeweils ca. einer Million Mitgliedern. Der Zwang zur Positionierung Der Beschluss von IBFG und WVA einen neuen gewerkschaftlichen Weltverband und entsprechende Regionalorganisationen ins Leben zu 1
Druckschrift
Gewerkschaftslandschaft im Umbruch? : Die Auswirkungen der Gründung der IGB-Regionalorganisation in Lateinamerika
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten