Das Historische Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung als zentraler Ort kultureller Überlieferung der nationalen und internationalen Gewerkschaftsbewegung. Ansprache, anlässlich der Buchvorstellung L'operaio italiano. Periodico in lingua italiana dei liberi sindacati tedeschi(1898- 1914), am 25. Oktober 2007 im Kettenmuseum in Fröndenberg. Rüdiger Zimmermann Es freut mich heute ganz besonders, als Leiter der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung bei der Buchpräsentation"L'operaio Italiano" etwas zum Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung als dem zentralen Ort der kulturellen Überlieferung der nationalen und internationalen Gewerkschaftsbewegung sagen zu dürfen. Ein klein wenig waren wir- wenn ich es richtig interpretiere-auch als Dienstleiter an dem verdienstvollen heute hier vorgestellten Werk beteiligt. Das Historische Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung besteht aus dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Bibliothek der Friedrich-EbertStiftung und einer Forschergruppe der Abteilung für Sozial- und Zeitgeschichte in Bonn; zum Forschungszentrum zählt ferner das Geburtshaus von Karl Marx als Museum in Trier (Karl-Marx-Haus). Im Forschungsverbund arbeiten zur Zeit knapp hundert Personen. Das Zentrum ist eine der größten historisch-sozialwissenschaftlichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland.(1) Unser Hauptsammelauftrag ist die nationale und internationale Arbeiterbewegung. In der Bibliothek sammeln wir erheblich"breiter" und"tiefer" als nur Arbeiterbewegung. Das Archiv sammelt und erschließt eher den"Kern". Hier liegt der Schwerpunkt eher auf den deutschen Beständen. Die Bibliothek verwahrt über 750.000 Bände.(2) Das Archiv mustert gut 45 km laufende Akten.(3) Was haben Bibliothek und Archiv mit unserem heutigen Thema zu tun? 1978 übergab der Vorstand der damaligen Industriegewerkschaft Bau, Steine, Erden seine historische Bibliothek an die Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Altbestände aus der Zeit vor 1993 bestanden aus lückenlosen Beständen von Protokollen, Jahrbüchern und Geschäftsberichten. Ein einzigartiger Bestand zur Sozialgeschichte.(4) Wir wunderten uns zunächst, wieso die anfangs in Hamburg residierende Gewerkschaft, die dann nach Berlin übersiedelte, um später in Frankfurt eine Heimstatt zu finden, einen solch lückenlosen Bestand gerettet hatte. Heute wissen wir es: Es waren Restitutionen aus alten Gewerkschaftsbibliotheken. Diese wurden zunächst von den Nationalsozialisten ausgeraubt, später von der amerikanischen Besatzungsmacht in die Vereinigten Staaten gebracht und den deutschen Gewerkschaften dann zurück gegeben. Der Baubestand war der erste große Bestand, der eine Fülle von Informationen über ausländische Arbeitnehmer in Deutschland im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und später in der Bundesrepublik enthielt. Kurze Zeit später erhielt unser Haus die vollständige Bibliothek der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, deren alter Vorsitzende Eduard Backert(5) eine reiche (fast vollständige) Privatbibliothek der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter über die Zeit des Faschismus gerettet hatte.(6) Nun war eigentlich die Friedrich-Ebert-Stiftung für Gewerkschaftsbestände gar nicht der richtige Ansprechpartner. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte in Düsseldorf ein eigenes Archiv und eine eigene Bibliothek mit zum Teil herausragenden Beständen aufgebaut. Die chronische personelle Unterbesetzung der Einrichtung verhinderte indes eine umfassende Erschließung der Bestände und Betreuung der Kunden. Viele Gewerkschaften arbeiteten deshalb lieber mit der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen. Der Hauptvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes selbst entschied 1996, sein vollständiges Archiv und seine vollständige Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn anzuvertrauen.(7) Mit der Übernahme dieses"Brockens" und weiterer Gewerkschaftsbibliotheken und Gewerkschaftsarchive avancierte das Historische Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-
Druckschrift
Das Historische Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung als zentraler Ort kultureller Überlieferung der nationalen und internationalen Gewerkschaftsbewegung : Ansprache, anlässlich der Buchvorstellung "L'operaio italiano. Periodico in lingua italiana del liberi sindacati tedeschi (1898 - 1914)" am 25. Oktober 2007 im Kettenmuseum in Fröndenberg
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten