Internationale Gewerkschaftskooperation KURZBERICHTE N° 3/ 2007 verantwortlich: rudolf traub-merz Globale Gewerkschaftspolitik www.fes.de/gewerkschaften Gewerkschaften und politische Parteien in Afrika: Neue Bündnisse, Strategien und Partnerschaften von Edward Webster 1 Gewerkschaften haben in Afrika eine lange Tradition des politischen Engagements – angefangen mit ihrer Beteiligung an den antikolonialen Bewegungen bis hin zu den Kämpfen für die Demokratie in heutiger Zeit. Ihr historisches Engagement in der Politik lässt sich in drei Phasen einteilen. Die erste Phase prägte ein gemeinsamer Kampf gegen den Kolonialismus, als enge Beziehungen zwischen Gewerkschaften und den nationalen Befreiungsbewegungen entstanden. Dabei waren die Gewerkschaften zwar wichtige Akteure, aber übernahmen i.d.R. den Part des Juniorpartners gegenüber Parteien; sie entwickelten auch keine eigene soziale Agenda außerhalb des Kampfes für politische Unabhängigkeit und darüber hinaus. Die zweite Phase setzt mit der politischen Unabhängigkeit und Einführung von Entwicklungsvorhaben unter Federführung des Staates ein, was schnell zur Zunahme der Beschäftigung im öffentlichen Dienst führte. Theoretisch wurden in dieser Phase die formalen Gewerkschaftsrechte zwar oftmals geschützt, aber praktisch waren Gewerkschaften den dominierenden Parteien untergeordnet und verloren damit die Fähigkeit, sich als unabhängige Kraft politisch einzumischen. Vielmehr wurde von ihnen eine Doppelrolle erwartet: zunächst die Unterstützung bei der gesamtnationalen Entwicklung und erst zweitrangig die Interessenvertretung für Mitglieder. Diese Umkehrung im primären Rollenverhalten von Gewerkschaften als eher entwicklungspolitische und weniger interessenpolitische Einrichtung wurde von Regierungen damit begründet, dass Gewerkschaften nur einen Teil der Beschäftigten dieser Länder vertreten. Eine dritte Phase, die Phase der Marktregulierung, setzte in den 1990er Jahren ein. Angesichts der in den 1970er und 80er Jahren vielerorts aufgelaufenen Staatsverschuldung wurden Regierungen nunmehr von den Internationalen Finanzinstitutionen unter Druck gesetzt, ihre Haushalte den konventionellen 1 Beim vorliegenden Artikel handelt es sich um eine Zusammenfassung der Diskussionen auf der Konferenz über:„Gewerkschaften und Politik: Afrika aus vergleichender Perspektive“, die am 21.–22. Juli 2006 gemeinsam von der Abteilung für Arbeitssoziologie(SWOP) der Universität von Witwatersrand, dem Institut für Entwicklungsstudien(IDS) der Universität von Simbabwe, der Gruppe für Entwicklungspolitik der Universität Stockholm und der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet wurde. Auf der Konferenz trafen sich afrikanische Wissenschaftler und Gewerkschaftsaktivisten. Ich möchte gleichzeitig dankbar den Bericht von Bjorn Beckman zur gleichen Konferenz in der November 2006-Ausgabe des„Newsletter of RC 44“(Forschungsausschuss zu Gewerkschaftsbewegungen des internationalen Soziologenverbandes) erwähnen. Die Konferenzveranstalter Professor Bjorn Beckman, Sakhela Buhlungu und Lloyd Sachikonye werden demnächst ausgewählte Vorträge in redaktionell überarbeiteter Form herausgeben.
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Gewerkschaften und politische Parteien in Afrika : neue Bündnisse, Strategien und Partnerschaften
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