FRANKREICH-ANALYSE Friedrich-Ebert-Stiftung Bureau de Paris 41 bis, boulevard de La Tour-Maubourg 75007 Paris Tel: 00 33(0)1 45 55 09 96 Fax: 00 33(0)1 45 55 85 62 fes@fesparis.org www.fesparis.org Frankreich und seine zukünftige November 2007 Stellung in der NATO – eine politische, keine militärische Debatte Jean-Pierre Maulny Als der französische Präsident Nicolas Sarkozy am 27. August 2007 vor der Botschafterversammlung von einer notwendigen Neuausrichtung der Beziehungen zwischen Frankreich und der NATO sprach, gab er damit der französischen Debatte über eine mögliche Rückkehr in die integrierte Militärstruktur der NATO neuen Anstoß. Von Außen betrachtet kann der Status Frankreichs in der NATO anachronistisch, ja gar seltsam anmuten. Warum will Frankreich in dieser Organisation um jeden Preis einen Sonderstatus bewahren? Diese Haltung wird in der Regel auf ein Misstrauen gegenüber den USA zurückgeführt. Sie kann aber gerade in Hinblick auf die französische Versicherung, das Projekt der Europäischen Verteidigung sei mit der NATO kompatibel, skeptisch stimmen. Auch die Kritik, ja Nörgelei Frankreichs und sein Widerstand gegen zahlreiche Projekte zur Weiterentwicklung der NATO können irritieren. Zudem hört man oft den Vorwurf, die französische Distanz zum Atlantikpakt könne dem Dialog zwischen NATO und EU Schaden zufügen. Wo aber liegt denn nun eigentlich genau das Problem? Jean-Pierre Maulny ist stellvertretender Leiter des Institut de Relations Internationales et Stratégiques(IRIS) Warum verhält sich unser Land in der NATO wie die unbeugsamen Gallier im Kampf gegen die Römer in der berühmten Comicserie Asterix? Gründe für den französischen Sonderweg Tatsächlich kann man den französischen Sonderweg nur verstehen, wenn man sich die Gründe des Austritts Frankreichs aus der integrierten Militärstruktur vor Augen hält und das schwierige(aber nicht zwangsläufig konfliktgeladene) Verhältnis zwischen Frankreich und den USA in seine Überlegungen mit einbezieht. Frankreich ist am 7. März 1966 aus der integrierten Militärstruktur der NATO ausgetreten, gleichzeitig jedoch Mitglied des Atlantikpaktes geblieben. Die Amerikaner waren damals darum bemüht, angesichts des strategischen nuklearen Gleichgewichts zwischen den USA und der Sowjetunion der Pattsituation der gesicherten gegenseitigen Zerstörung(Mutual Assured Destruction= MAD) durch die Entwicklung der Strategie der„flexiblen Reaktion“ entgegenzutreten. Auf Europa angewandt bedeutete dies, dass die Amerikaner in ihrem Bestreben, einen strategischen nuklearen Schlagabtausch zwischen den USA und der UdSSR zu vermeiden, die Gefahr eines Konflikts in Mitteleuropa – mit, falls nötig, dem
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Frankreich und seine zukünftige Stellung in der NATO : eine politische, keine militärische Debatte
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